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Ukraine Krieg – Probleme für den Handel schon da

Der Krieg in der Ukraine mit schwerwiegende Folgen – Probleme für den Handel schon sichtbar.

Foto und Bildrechte: Norma Lebensmittelfilialbetrieb Stiftung & Co. KG

Seit nun fast zwei Wochen führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, und die Belastungen für den Welthandel sind schon längst spürbar. Experten gehen davon aus, dass der Welthandel im Februar im Vormonatsvergleich um 5,6 Prozent zurückgegangen ist. Dabei handele es sich um den größten Einbruch seit Beginn der Corona-Pandemie. Der seit einigen Monaten anhaltende Erholungstrend in der Weltwirtschaft ist nun gebrochen.

Auch für den deutschen Lebensmittelhandel sieht es aktuell düster aus. Viele Handelsunternehmen hierzulande haben Standorte und eigenständige Tochterfirmen in Russland. Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Russland betrug 2021 fast 60 Milliarden Euro. Für deutsche Händler mit russischen Standorten können nicht nur militärische Maßnahmen bedrohlich sein, auch wirtschaftliche Gegenreaktionen bedrohen Renditen oder Aktienkurse deutlich.

Metro, Globus, Obi sind direkt betroffen

Beispiel Metro:

Der Aktienkurs der Metro fiel seit dem Krieg von knapp 10,12 Euro pro Aktie Mitte Februar auf knapp 7,00 Euro zu Anfang März 22. Die Metro ist bereits seit über 20 Jahren in Russland aktiv, hat in dem Land 93 Märkte und  ca. 10.000 Mitarbeiter und auch noch 3,5 Millionen Quadratmeter Immobilienfläche. Metro Russland steht mit seinen knapp 2,4 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2020/21 für rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes der Metro AG. Den Handel mit professionellen Kunden vor Ort wolle Metro vorerst weiter betreiben. Einschränkungen oder Engpässe gebe es derzeit nicht, da der größte Teil des Sortiments aus Russland direkt bezogen wird. Besorgter muss man hier um die ca. 3400 Mitarbeiter in der Ukraine sein.

“obs/Metro Deutschland GmbH/METRO Deutschland”

Beispiel Globus:

Die „Saarländer“ betreiben in Russland aktuell 19 sogenannte “Globus Hypermärkte” und 9.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für Globus war Russland bisher die renditestärkste Sparte. Die SB-Warenhäuser rund um Moskau verzeichneten in der letzten Bilanz ein Ergebnis nach Steuern in Höhe von 84 Millionen Euro. Auch war das Ziel, weiter in Russland investieren zu wollen. Das operative Business ist aktuell nicht beeinträchtigt, so dass die weitere Situation abzuwarten ist.

Beispiel Obi:

Die Baumarktkette Obi-Gruppe stellt ihre Geschäftstätigkeit in Russland ein. Obi erklärte deutlich, dass der Krieg schon massive Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen hat und unvorhersehbare Folgen auch für Obis Geschäftsaktivitäten bringt. Obi Russland beschäftigt rund 4.900 Mitarbeiter in 27 Märkten und gehört zur Obi-Gruppe, die ihren Hauptsitz in Deutschland hat und Märkte in elf europäischen Ländern betreibt.

Beispiel Schwarz Gruppe:

Beide Unternehmenstöchter der Gruppe, Lidl und auch Kaufland hatten den Eintritt mit ihren Märkten schon öfters mal intensiv in der Vorbereitung. Beide Formate lassen jetzt offensichtlich erstmals die Finger weg von einer Expansion in die Ukraine oder nach Russland.

Beispiel Real-Deal:

Auch umgekehrt fließen Gelder von Russland nach Deutschland. Auch Kaufland war zum Beispiel ein Profiteuer der Real- Zerschlagung. Zuerst war Kaufland als Exklusivpartner der SCP– Immobilientochter X-Bricks dabei. SCP gehört mehrheitlich dem russischen Milliardär Wladimir Jewtuschenkow. Die SCP Group ist eine Investmentfirma, die auf skalierbare, vermögensintensive Möglichkeiten in Europa abzielt, mit Schwerpunkt auf Gewerbeimmobilien. Diese hat bei X- Bricks auch außer den Real- Märkten Einzelhandelsimmobilien von ca. 500 000 qm.

Früher Extra dann Real, jetzt Kaufland in Viersen!

Beispiel Dia:

Ein weiterer Oligarch ist Michail Fridman, der u.a. auch enge Beziehungen zu und im westeuropäischen Handel betreibt. Dazu gehören u.a. der spanische Discounter Dia. Dia ist eine Discount-Kette, die in Spanien zu den führenden Lebensmittelhändlern zählt. Im Jahr 2020 betrieb das Unternehmen insgesamt 6.169 Filialen weltweit, davon 3.918 Filialen auf dem spanischen Kernmarkt. Auch der Reformfachhändler Holland & Barret gehört zu Fridmans Unternehmen. Holland & Barrett ist eine Kette von Reformhäusern mit über 1.300 Geschäften in 16 Ländern, darunter eine bedeutende Präsenz in Großbritannien, der Republik Irland, den Niederlanden, Belgien, China, Hongkong, Indien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Beispiel Mere:

Nach unseren Informationen will der Aldi und Lidl Schreck Mere seine rasante Expansion in Deutschland einstellen. Mere betreibt in Deutschland mittlerweile sechs Märkte. Allerdings liegt uns zu dieser Information noch keine Bestätigung vor.

Beispiel Mix Markt, Adix, Monolith….

All diese Händler sind spezialisiert, die in Deutschland lebenden Menschen, die einen russischsprachigen Backround haben mit heimischen Lebensmitteln zu versorgen. Wie wir aus unserem Netzwerk erfahren haben sind viel dieser Märkte nun fast von russischer Ware ausverkauft. Es ist davon auszugehen das auch so schnell nicht wieder ausreichende russische Sortimente während der Sanktionen den europäischen Markt erreichen werden. Die ersten Händler haben schon Ihre Märkte geschlossen.

Fazit:

Daran ist zu erkennen, wie der gesamte westeuropäische Einzelhandel zusammen hängt und durch den Krieg in eine Krise gerät. In weit sich deutsche Handelsketten ein Engagement in Russland weiter leisten wollen, ist fraglich, steht doch immer auch die moralische Frage an vorderer Stelle.

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Bilder: Archiv Supermarkt-Inside

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