PICNIC greift die Gastronomie an: Wie der Online-Supermarkt mit frischen Mahlzeiten den Markt aufmischt

Foto: Supermarkt-Inside bei PICNIC
Der E-Food-Spezialist PICNIC baut sein Geschäft mit frisch gekochten Gerichten aus und plant den nächsten großen Expansionsschritt in Deutschland. Mit neuen Logistikzentren, automatisierten Prozessen und ambitionierten Wachstumszielen will das Unternehmen nicht nur den klassischen Lebensmitteleinkauf, sondern zunehmend auch die schnelle Alltagsküche erobern. Für den deutschen Lebensmittelhandel entsteht damit ein weiterer Wettbewerber, der die Grenzen zwischen Supermarkt, Lieferdienst und Gastronomie verwischt.
PICNIC macht ernst mit dem Ausbau seines Geschäfts rund um verzehrfertige Mahlzeiten. Was in den Niederlanden bereits zum Angebot des digitalen Lebensmittelhändlers gehört, soll künftig auch in Deutschland stärker an Bedeutung gewinnen. Der E-Food-Anbieter, an dem auch Edeka beteiligt ist, will seine Aktivitäten mit frisch gekochten Gerichten ausweiten und setzt dabei auf ein Geschäftsmodell, das digitale Bestellungen, gebündelte Auslieferung und eine eng organisierte Logistik miteinander verbindet.
Die Perspektive ist ambitioniert: PICNIC will sein Geschäft mit frisch zubereiteten Speisen ausbauen, neue Standorte erschließen und die Voraussetzungen für weiteres Wachstum schaffen. Nach den Angaben des zugrunde liegenden Zeitungsberichts soll das Geschäft mit den Mahlzeiten deutlich zulegen. Gleichzeitig zeigt sich, dass der wirtschaftliche Erfolg nicht allein von der Nachfrage abhängt. Entscheidend sind vor allem die Kosten der letzten Meile, die Auslastung der Lieferflotte und die Fähigkeit, möglichst viele Bestellungen effizient zusammenzuführen.
1. Vom Wocheneinkauf zum fertigen Abendessen

Foto: PICNIC
PICNIC ist mit einem klaren Versprechen angetreten: Lebensmittel bequem per App bestellen und zu einem angekündigten Zeitfenster nach Hause liefern lassen. Das Unternehmen verzichtet auf klassische Supermarktflächen für die Kundschaft und konzentriert sich auf digitale Bestellungen sowie eine zentral organisierte Warenversorgung. Genau diese Struktur eröffnet neue Möglichkeiten für zusätzliche Sortimente und Dienstleistungen.
In den Niederlanden liefert PICNIC nach dem Zeitungsbericht nicht nur Obst, Gemüse, Toilettenpapier und andere Produkte des täglichen Bedarfs. Zum Angebot gehören auch Curry, Lasagne und weitere frisch zubereitete Gerichte. Die Kundschaft kann damit nicht nur den Kühlschrank füllen, sondern auch die Frage beantworten, was am Abend auf den Tisch kommt.
Für PICNIC ist das ein strategisch interessanter Schritt. Der klassische Lebensmitteleinkauf und die Versorgung mit fertigen Mahlzeiten folgen unterschiedlichen Kaufmotiven. Während Verbraucher beim Wocheneinkauf vor allem Preise, Frische und Sortiment vergleichen, stehen bei einer fertigen Mahlzeit häufig Zeitersparnis und Bequemlichkeit im Vordergrund.
Gerade berufstätige Haushalte, Familien und kleinere Haushalte könnten von dieser Kombination profitieren. Wer ohnehin Lebensmittel bestellt, kann zusätzliche Gerichte in denselben Einkauf integrieren. Für PICNIC entsteht dadurch die Chance, den durchschnittlichen Bestellwert zu erhöhen und die bestehende Kundenbeziehung intensiver zu nutzen.
Der Wettbewerb beschränkt sich damit nicht mehr auf andere Online-Supermärkte. Auch klassische Lieferdienste, Anbieter gekühlter Fertiggerichte und der stationäre Handel mit seinen Convenience-Sortimenten geraten stärker in den Blick. PICNIC positioniert sich an der Schnittstelle dieser Geschäftsmodelle.
2. Ca. 30 Prozent Wachstum als Ansage – doch die Logistik entscheidet

Foto: Supermarkt-Inside bei PICNIC
Nach den unterschiedlichen Angaben rechnet PICNIC im Geschäft mit frisch gekochten Mahlzeiten mit einem Wachstum von rund 30 Prozent. Gleichzeitig wird der Aufbau zusätzlicher logistischer Kapazitäten vorangetrieben. Die Niederlande dienen dabei als wichtiger Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung des Geschäftsmodells.
Die wirtschaftliche Herausforderung liegt auf der Hand: Frisch zubereitete Gerichte sind ein anderes Produkt als haltbare Lebensmittel oder viele klassische Supermarktartikel. Produktion, Kühlung, Haltbarkeit, Warenverfügbarkeit und Zustellung müssen präzise aufeinander abgestimmt werden. Hinzu kommt die Frage, wie sich die Kosten für die Auslieferung auf möglichst viele Produkte und Bestellungen verteilen lassen.
PICNIC versucht, diesen Kostendruck mit einem hohen Maß an Standardisierung und Automatisierung zu beherrschen. Das Unternehmen bündelt Bestellungen, plant Lieferstrecken und organisiert die Warenströme über Logistikstandorte. Die Lieferung fertiger Mahlzeiten kann dabei von der bestehenden Kundenbeziehung und teilweise von bereits vorhandenen Strukturen profitieren.
Allerdings ist nicht automatisch jedes zusätzliche Produkt wirtschaftlich sinnvoll. Frische Gerichte benötigen eine verlässliche Nachfrage und müssen innerhalb enger Zeitfenster produziert, kommissioniert und ausgeliefert werden. Werden Bestellungen nicht ausreichend gebündelt, können zusätzliche Kosten den erhofften Deckungsbeitrag schnell aufzehren.
Genau deshalb ist der Ausbau des Geschäfts mit Mahlzeiten mehr als eine Sortimentsentscheidung. Er ist ein Test dafür, ob PICNIC seine digitale Plattform und seine Lieferinfrastruktur auch in einem anspruchsvolleren Produktsegment profitabel einsetzen kann.
3. Deutschland wird zum nächsten Prüfstein für PICNIC

Foto: Supermarkt-Inside bei PICNIC
PICNIC will das Konzept auch in Deutschland weiterentwickeln. Der Zeitungsbericht beschreibt dafür zusätzliche logistische Ambitionen und verweist auf den Ausbau des Geschäfts in mehreren Städten. Der Online-Händler ist bereits in zahlreichen deutschen Städten aktiv; zugleich bleibt die Frage, wie schnell sich neue Angebote in unterschiedlichen regionalen Märkten etablieren lassen.
Für den deutschen Lebensmitteleinzelhandel ist diese Entwicklung relevant. Der Wettbewerb um den Kunden findet längst nicht mehr ausschließlich zwischen Lidl, Aldi, Edeka, Rewe und Kaufland statt. Digitale Plattformen versuchen, weitere Teile des täglichen Konsums an sich zu binden. Wer den Lebensmitteleinkauf übernimmt, hat gute Chancen, auch bei ergänzenden Produkten und Dienstleistungen berücksichtigt zu werden.
Für etablierte Händler ergeben sich daraus zwei Aufgaben. Erstens müssen sie ihre eigenen Convenience– und To-go-Angebote weiterentwickeln. Frische Fertiggerichte, gekühlte Mahlzeiten und schnelle Lösungen für den Feierabend können dazu beitragen, zusätzliche Kaufanlässe zu schaffen. Zweitens müssen sie die Verbindung zwischen Sortiment, Kunden-App und Logistik konsequent verbessern.
PICNIC wiederum muss beweisen, dass sich sein Modell nicht nur in ausgewählten Regionen und unter günstigen Bedingungen trägt. Deutschland ist ein anspruchsvoller Markt mit etablierten Handelsunternehmen, einer hohen Dichte stationärer Lebensmittelgeschäfte und unterschiedlichen regionalen Wettbewerbsbedingungen.
Die Beteiligung von Edeka an PICNIC macht die Entwicklung zusätzlich interessant. Sie verbindet einen etablierten deutschen Handelskonzern mit einem digital ausgerichteten Geschäftsmodell, das auf effiziente Zustellung und datenbasierte Prozesse setzt. Welche konkreten Synergien daraus entstehen, hängt jedoch von der tatsächlichen Zusammenarbeit und der weiteren Geschäftsentwicklung ab.
Fazit: PICNIC will mehr sein als der Supermarkt auf Rädern.

Foto: Supermarkt-Inside mit KI-Support
Mit frisch gekochten Mahlzeiten erweitert das Unternehmen seinen Anspruch vom digitalen Lebensmitteleinkauf hin zur alltäglichen Essensversorgung. Das eröffnet neue Umsatzchancen, erhöht aber auch die Anforderungen an Frischelogistik, Kostenkontrolle und Nachfrageplanung. Für den deutschen Lebensmittelhandel ist das ein deutliches Signal: Der Wettbewerb der Zukunft dreht sich nicht allein um den günstigsten Einkauf, sondern zunehmend auch darum, wer den Alltag der Verbraucher am bequemsten organisiert.
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