Ex-Bundenkanzler Schröder im Globus-Aufsichtsrat: Der wohl ungewöhnlichste Job im deutschen Handel

Neueröffnung Globus Dudweiler am 29.10.2022.
Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder bekommt einen neuen Job im Lebensmittelhandel – und der hat es in sich: Der 82-Jährige zieht in den Aufsichtsrat des russischen Globus-Geschäfts ein. Ausgerechnet jetzt, wo Moskau den Druck auf westliche Handelsunternehmen massiv erhöht.
Gerhard Schröder bleibt Russland verbunden – und sorgt damit erneut für Schlagzeilen. Der ehemalige Bundeskanzler ist in den Aufsichtsrat von Hyperglobus LLC, der russischen Gesellschaft hinter den Globus-Hypermärkten, berufen worden. Das Unternehmen bestätigte die Personalie gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Schröder wurde demnach bereits am 30. September in das Gremium aufgenommen.
Seine Aufgabe: Er soll die strategische Entwicklung und langfristige Ausrichtung des Unternehmens in Russland unterstützen und an der allgemeinen Unternehmensführung mitwirken. Für den russischen Markt bringt Schröder zweifellos eine ungewöhnliche Kombination aus politischer Erfahrung und jahrzehntelangen Kontakten nach Moskau mit.
Globus Russland ist längst ein Sonderfall

Foto: GLOBUS Markthalle
Besonders interessant ist die Konstruktion hinter dem Russlandgeschäft. Das russische Globus-Geschäft wurde Anfang 2025 aus der deutschen Globus Holding herausgelöst und arbeitet seitdem rechtlich und organisatorisch eigenständig. Die Märkte treten allerdings weiterhin unter der bekannten Marke Globus auf. Hyperglobus befindet sich inzwischen im Besitz von Thomas Bruch und seiner Familienstrukturen.
Damit ist Schröder formal nicht in den Aufsichtsrat der deutschen Globus Holding eingezogen, sondern in das Kontrollgremium der eigenständigen russischen Gesellschaft. Und genau dieser Unterschied dürfte in der aktuellen Situation entscheidend sein.
Timing sorgt für besonderes Aufsehen

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Denn die Personalie kommt zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt. Erst wenige Tage zuvor hatte Russland das dortige Geschäft des deutschen Handelskonzerns Metro unter vorübergehende staatliche Verwaltung gestellt. Auch die Russland-Aktivitäten anderer westlicher Unternehmen wie Auchan waren bereits von staatlichen Eingriffen betroffen.
Ob Schröders Berufung bei Hyperglobus damit unmittelbar zusammenhängt, ist offen. Das Unternehmen hat einen solchen Zusammenhang nicht bestätigt. Fest steht jedoch: Globus hält weiterhin am Russlandgeschäft fest – und holt nun ausgerechnet einen ehemaligen deutschen Regierungschef mit langjährigen Russlandkontakten in eine strategische Funktion.
Schröder selbst steht seit Jahren wegen seiner engen Beziehungen zu Wladimir Putin und seiner früheren Funktionen bei russischen Energieunternehmen in der Kritik. Seine neue Rolle dürfte diese Debatte erneut anheizen.
Für den Lebensmittelhandel ist die Personalie deshalb weit mehr als eine ungewöhnliche Personalentscheidung. Sie zeigt, wie kompliziert das Russlandgeschäft westlicher Handelsunternehmen inzwischen geworden ist – und wie sehr Politik, Geopolitik und Lebensmittelhandel miteinander verflochten sind.
Globus Russland bekommt mit Schröder jedenfalls einen Aufsichtsrat, dessen Name wohl kaum für mehr Aufmerksamkeit sorgen könnte.
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