Action bleibt das Zugpferd im Nonfood-Handel – doch das Wachstum wird langsamer

Zweistelliges Wachstum war gestern: Action steigert den Halbjahresumsatz um 14 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro und baut seine Marktposition weiter aus. Doch die Dynamik lässt nach. Für den Nonfood-Discounter wird die nächste Wachstumsphase anspruchsvoller.

Foto: Supermarkt-Inside bei Action

Der europäische Nonfood-Handel steht unter erheblichem Veränderungsdruck. Während viele Händler mit sinkenden Margen, verhaltener Konsumstimmung und steigenden Kosten kämpfen, schreibt eine niederländische Handelskette ihre eigene Erfolgsgeschichte weiter: Action.

Der Nonfood-Discounter wächst weiterhin deutlich schneller als viele Wettbewerber. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 14 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro. Gleichzeitig expandiert Action konsequent weiter und betreibt inzwischen 3.423 Filialen in 15 Ländern.

Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Auch beim Wachstumskönig der Branche beginnt sich die außergewöhnliche Dynamik etwas abzuschwächen.

Action wächst weiter – aber nicht mehr ganz so schnell

Action hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll demonstriert, wie stark ein konsequent standardisiertes Discountkonzept im europäischen Nonfood-Markt funktionieren kann. Kleine Preise, ständig wechselnde Sortimente, hohe Frequenzen und eine aggressive Expansion haben Action zu einem der spannendsten Handelsunternehmen Europas gemacht.

Im ersten Halbjahr konnte der Umsatz erneut um 14 Prozent gesteigert werden. Das ist zweifellos eine beeindruckende Entwicklung. Gleichzeitig liegt Action damit unter den außergewöhnlichen Wachstumsraten vergangener Jahre.

Besonders interessant ist die Entwicklung der Flächenleistung. Hier konnte Action erneut zulegen. Das zeigt, dass das Wachstum nicht ausschließlich über neue Standorte erkauft wird. Auch die bestehenden Filialen entwickeln sich weiterhin positiv.

Dennoch wird die Luft an der Spitze dünner. Mit einem Wachstum von 6,8 Prozent auf vergleichbarer Basis blieb Action unter dem Vorjahresniveau. Für einen Händler, der über Jahre hinweg mit zweistelligen Zuwächsen auf sich aufmerksam gemacht hat, ist das ein Signal.

Allerdings wäre es falsch, daraus eine Schwächephase abzuleiten. Vielmehr dürfte es sich um einen klassischen Effekt zunehmender Größe handeln: Je größer das Filialnetz und je höher der Umsatz, desto schwieriger wird es, die außergewöhnlichen Wachstumsraten der Vergangenheit dauerhaft fortzuschreiben.

3.423 Filialen: Die Expansion bleibt der wichtigste Wachstumsmotor

Foto: Supermarkt-Inside bei Action

Besonders bemerkenswert ist deshalb die konsequente Expansion. Action betreibt inzwischen 3.423 Filialen in 15 Ländern.

Damit wird das Geschäftsmodell zunehmend europäisch skaliert. Für den Nonfood-Discounter ist die Filialexpansion ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Jeder neue Standort bringt zusätzliche Umsätze – gleichzeitig kann Action sein standardisiertes Konzept nahezu identisch auf unterschiedliche Märkte übertragen.

Das Prinzip erinnert dabei durchaus an erfolgreiche Lebensmittel-Discounter: ein begrenztes, stark preisorientiertes Sortiment, hohe Umschlaggeschwindigkeit, standardisierte Prozesse und ein konsequentes Kostenmanagement.

Genau diese Kombination macht Action für den gesamten Handel interessant.

Denn während klassische Nonfood-Händler häufig mit großen Sortimenten und entsprechend komplexen Strukturen arbeiten, setzt Action auf das Gegenteil. Das Sortiment verändert sich permanent, viele Produkte sind nur für einen begrenzten Zeitraum verfügbar. Dadurch entsteht beim Kunden ein zusätzlicher Kaufimpuls: Wer heute nicht zugreift, könnte das Produkt beim nächsten Besuch nicht mehr finden.

Diese Mischung aus Discount, Überraschungseffekt und hoher Besuchsfrequenz ist inzwischen zu einem wesentlichen Bestandteil des Erfolgsmodells geworden.

Operatives Ergebnis wächst deutlich – Kundenfrequenz als Schlüssel

Foto: Supermarkt-Inside bei Action

Noch interessanter wird die Entwicklung beim Ergebnis. Das operative EBITDA stieg im zweiten Quartal um 18 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.

Damit wächst das Ergebnis schneller als der Umsatz. Für den Handel ist das eine ausgesprochen wichtige Kennzahl. Denn letztlich entscheidet nicht allein das Umsatzwachstum über den Erfolg eines Filialunternehmens, sondern die Frage, wie effizient dieser Umsatz erwirtschaftet wird.

Action profitiert dabei unter anderem von einer gestiegenen Kundenfrequenz.

Und genau hier liegt eine der wichtigsten Erkenntnisse für den gesamten europäischen Handel: Preis allein reicht nicht aus. Der Kunde muss einen Grund haben, regelmäßig wiederzukommen.

Action schafft diesen Grund durch ständig wechselnde Produkte, niedrige Preise und eine hohe Sortimentsdynamik.

In Deutschland dürfte das Unternehmen inzwischen mehr als 2,5 Milliarden Euro Umsatz erzielen. Damit ist Action längst kein kleiner Spezialist mehr, sondern ein relevanter Player im deutschen Nonfood-Markt.

Angesichts der zahlreichen Insolvenzen und Restrukturierungen im Nonfood-Handel wird diese Entwicklung besonders deutlich. Während etablierte Wettbewerber Filialen schließen, Konzepte verändern oder sogar ganz aus dem Markt verschwinden, baut Action seine Präsenz weiter aus.

Das macht den Händler zu einem echten Zugpferd im europäischen Nonfood-Geschäft.

Was der deutsche Lebensmittelhandel von Action lernen kann

Bildrechte: Lidl Fotograf: Patrick Walter

Auch für den Lebensmittelhandel steckt in der Entwicklung von Action eine wichtige Botschaft.

Die Grenzen zwischen Food und Nonfood verschwimmen zunehmend. Lebensmittelhändler müssen sich längst nicht mehr nur über Preise und klassische Sortimente differenzieren. Erlebnis, Frequenz, Überraschung und ständig wechselnde Angebote werden immer wichtiger.

Gerade die hohe Kundenfrequenz von Action zeigt, wie ein Händler aus einem vergleichsweise einfachen Sortiment einen regelmäßigen Besuchsanlass schaffen kann.

Für Supermärkte und Großflächen stellt sich deshalb die Frage: Wie viel Überraschung steckt eigentlich noch in unseren Sortimenten?

Action macht vor, wie stark ein dynamisches Sortiment als Frequenzbringer funktionieren kann. Gleichzeitig zeigt das Unternehmen aber auch, dass Expansion allein irgendwann nicht mehr ausreicht. Mit zunehmender Größe wird es schwieriger, die bisherigen Wachstumsraten zu halten.

Die Entwicklung von 14 Prozent Umsatzwachstum bei gleichzeitig 6,8 Prozent vergleichbarem Wachstum könnte deshalb der Beginn einer neuen Phase sein: Action wächst weiterhin kräftig – muss sich aber zunehmend mit der Herausforderung auseinandersetzen, aus Größe und Marktführerschaft dauerhaft überproportionale Erträge zu generieren.

Für den europäischen Handel bleibt Action damit ein Unternehmen, das man sehr genau beobachten sollte. Nicht nur wegen der Expansion, sondern vor allem wegen der Frage, wie lange das einzigartige Zusammenspiel aus Preis, Sortiment, Frequenz und Flächenproduktivität noch mit dieser Geschwindigkeit funktioniert.

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