Lars Klingbeil besucht Schwarz Digits: Wenn der Finanzminister auf die digitale Zukunft des Handels trifft

Lidl, Kaufland und KI: Warum Schwarz Digits immer wichtiger wird

Neuer Schwarz digits-Campus Bad Friedrichshall Foto: Supermarkt-Inside

Bad Friedrichshall wird immer mehr zum Technologiezentrum der Schwarz Gruppe. Jetzt hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil den neuen Schwarz-Digits-Campus besucht. Im Gespräch mit Schwarz-Chef Gerd Chrzanowski ging es um Cloud, Künstliche Intelligenz, digitale Souveränität – und damit um Technologien, die längst auch für Lidl und Kaufland von strategischer Bedeutung sind.

Der Termin am 29. September zeigt einmal mehr, welche Bedeutung der neue Standort inzwischen über die Grenzen der Schwarz Gruppe hinaus gewonnen hat. Auf dem erst im Juli offiziell eröffneten Campus in Bad Friedrichshall werden die digitalen Aktivitäten des Konzerns gebündelt. Der erste Bauabschnitt bietet rund 3.500 Arbeitsplätze; perspektivisch kann der Standort auf bis zu 5.500 Beschäftigte wachsen.

Für den Lebensmittelhandel ist das interessant: Denn Digitalisierung ist bei Schwarz längst kein reines IT-Thema mehr. Sie wird zunehmend zu einem Bestandteil des Geschäftsmodells.

Vom Lebensmittelhändler zum Technologieunternehmen

Bildrechte: Kaufland in Deutschland Fotograf: Schwarz Unternehmenskommunikation GmbH & Co. KG

Wer beim Namen Schwarz Gruppe zunächst an Filialen, Eigenmarken und günstige Lebensmittelpreise denkt, greift inzwischen zu kurz. Hinter Lidl und Kaufland ist ein umfangreiches digitales Ökosystem entstanden.

Schwarz Digits bündelt unter anderem Aktivitäten rund um Cloud, Cybersecurity, Daten, Künstliche Intelligenz, Kommunikation und digitale Arbeitsplätze. Mit STACKIT verfügt die Gruppe zudem über eine eigene Cloud-Plattform. Die digitalen Angebote werden dabei nicht ausschließlich innerhalb der Schwarz Gruppe eingesetzt, sondern auch extern vermarktet.

Genau darin liegt eine bemerkenswerte Entwicklung für den europäischen Lebensmittelhandel: Ein Handelskonzern baut sich eine eigene technologische Infrastruktur auf, die über das klassische Handelsgeschäft hinausgeht.

Die Logik dahinter ist nachvollziehbar. Lidl und Kaufland erzeugen jeden Tag enorme Mengen an Daten – von Warenströmen und Beständen über Logistik und Preise bis hin zu Kunden- und Prozessdaten. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von KI und Cloud-Anwendungen für nahezu jeden Geschäftsbereich. Schwarz versucht deshalb, möglichst viele dieser Technologien selbst zu kontrollieren. Der neue Campus in Bad Friedrichshall ist dafür das sichtbare Symbol.

Klingbeil trifft Chrzanowski: Digitale Souveränität wird zum Wirtschaftsthema

Foto & Bildrechte: Schwarz Corporate Affairs

Beim Besuch von Lars Klingbeil trafen damit zwei Perspektiven aufeinander: Auf der einen Seite steht die Politik mit ihrem Interesse an Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und technologischer Unabhängigkeit. Auf der anderen Seite steht ein Handelskonzern, der Milliarden in digitale Infrastruktur und eigene Technologiekompetenz investiert.

Auf dem Campus ließ er sich gemeinsam mit Gerd Chrzanowski, dem Chef der Schwarz Gruppe, die digitale Welt des Konzerns zeigen. Bemerkenswert ist dabei auch der Standort selbst. Auf rund 15,5 Hektar wurden fünf Gebäude errichtet. Die Gesamtfläche beträgt rund 60.000 Quadratmeter. Zum Campus gehören neben Büros unter anderem Konferenzbereiche, ein Mitarbeiterrestaurant mit rund 1.000 Sitzplätzen, Fitnessangebote und eine Kindertagesstätte für rund 280 Kinder. Damit ist in Bad Friedrichshall weit mehr entstanden als ein klassischer Bürostandort.

Die Schwarz Gruppe spricht vom „Home of Digits“. Der Anspruch: verschiedene digitale Einheiten unter einem Dach zusammenzubringen und damit Zusammenarbeit und Innovation zu fördern. Für die Region Heilbronn ist das gleichzeitig ein erheblicher Strukturwandel. Wo früher vor allem der klassische Handel und die Logistik das Bild der Schwarz Gruppe geprägt haben, entsteht nun ein Technologie-Schwerpunkt mit mehreren tausend hochqualifizierten Arbeitsplätzen.

Was das für Lidl und Kaufland bedeutet

Foto: Supermarkt-Inside

Für den Lebensmittelhandel ist letztlich entscheidend, was hinter der Technologie steckt. Ein moderner Discounter oder Verbrauchermarkt ist heute ein hochkomplexes digitales System. Absatzprognosen, automatische Bestellungen, Warenverfügbarkeit, Logistiksteuerung, Personalplanung, digitale Kundenprogramme und personalisierte Angebote sind ohne leistungsfähige IT kaum noch denkbar. Künstliche Intelligenz könnte diese Prozesse künftig noch stärker verändern.

Je besser beispielsweise vorhergesagt werden kann, welche Produkte zu welchem Zeitpunkt in welcher Filiale benötigt werden, desto präziser lassen sich Warenströme organisieren. Für einen Konzern mit tausenden Filialen kann bereits eine kleine Verbesserung in einzelnen Prozessen erhebliche Auswirkungen haben. Hinzu kommt die Cloud-Infrastruktur. Schwarz Digits will mit STACKIT eine europäische Alternative zu großen internationalen Cloud-Anbietern aufbauen. Der Konzern verbindet dies ausdrücklich mit dem Thema digitale Souveränität.

Gerade für einen Handelskonzern ist das strategisch interessant: Daten und digitale Prozesse werden zu einem immer wichtigeren Produktionsfaktor. Die Entwicklung zeigt damit eine neue Dimension des Wettbewerbs im Lebensmittelhandel. Der Wettbewerb findet nicht mehr ausschließlich zwischen Filialnetzen, Sortimenten, Preisen und Eigenmarken statt. Er findet zunehmend auch hinter den Kulissen statt – in Rechenzentren, Clouds, Datenplattformen und KI-Systemen.

Und genau dort positioniert sich Schwarz Digits.

Der Campus ist erst der Anfang

Schwarz digits-Campus Bad Friedrichshall Foto: Supermarkt-Inside

Der Besuch von Lars Klingbeil macht vor allem eines sichtbar: Das Thema digitale Infrastruktur ist inzwischen mitten in der deutschen Wirtschaft angekommen. Der Schwarz-Digits-Campus steht exemplarisch dafür, wie stark sich die Grenzen zwischen Handel, Technologie und Infrastruktur verschieben. Für Lidl und Kaufland könnte die eigene Technologiekompetenz dabei zu einem wichtigen Baustein für die weitere Digitalisierung des Geschäfts werden.

Und Bad Friedrichshall entwickelt sich damit zu einem ungewöhnlichen Ort: Hier wird nicht nur über die Zukunft des Handels gesprochen – hier wird an der technischen Infrastruktur gearbeitet, mit der diese Zukunft gestaltet werden soll.

Der neue Campus ist deshalb mehr als ein beeindruckendes Gebäudeensemble im Heilbronner Land. Er ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Schwarz Gruppe ihren Anspruch längst über den klassischen Lebensmittelhandel hinaus erweitert hat.

Der Supermarkt der Zukunft beginnt möglicherweise nicht mehr an der Eingangstür der Filiale – sondern im Rechenzentrum.

Content: Supermarkt-Inside mit KI-Support

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