Schwarz Digits: Neuer Campus, alte Baustellen – die digitale Offensive der Schwarz Gruppe

Schwarz Gruppe: Die digitale Macht hinter Lidl und Kaufland

Der neue Digital-Campus der Schwarz Gruppe ist eröffnet. Doch hinter der modernen Fassade warten noch einige große digitale Projekte. Vor allem die Migration der Lidl-Warenwirtschaft in die eigene Stackit-Cloud erweist sich als Mammutaufgabe. Gleichzeitig setzt Schwarz Digits bereits auf Künstliche Intelligenz und Quantencomputing.

Der neue Campus der Schwarz Gruppe in Bad Friedrichshall soll weit mehr sein als ein moderner Bürostandort. Hier bündelt die Schwarz Gruppe ihre Technologiekompetenz und schafft die Voraussetzungen für eine zunehmend digitalisierte Handelswelt. Die Schwarz-IT-Sparte Schwarz Digits hat den Umzug auf den neuen Campus inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Doch während der neue Standort bereits Realität ist, laufen im Hintergrund einige der wichtigsten Digitalprojekte der Gruppe weiter.

Besonders im Fokus steht dabei die technische Infrastruktur des Handelsgeschäfts. Denn für Lidl und Kaufland sind leistungsfähige Warenwirtschafts-, Cloud- und Datensysteme längst ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

Ein Campus für die digitale Zukunft

Schwarz digits-Campus Bad Friedrichshall Foto: Supermarkt-Inside

Der neue Digital-Campus beeindruckt zunächst mit seinen Dimensionen. Fünf Gebäude, rund 2.800 feste Arbeitsplätze und insgesamt 5.500 Mitarbeitende, die auf den Standort zugreifen können, machen deutlich, welchen Stellenwert Technologie inzwischen innerhalb der Schwarz Gruppe besitzt. Hinzu kommen rund 500 Besprechungs- und Kreativräume sowie ein Restaurant mit rund 1.000 Sitzplätzen.

Schwarz Digits-CEO Christian Müller sieht in dem neuen Campus vor allem einen Ort, an dem Mitarbeiter zusammenkommen und Innovation entstehen kann. Die moderne Arbeitsumgebung soll offenbar nicht nur technologisch, sondern auch kulturell neue Maßstäbe setzen.

Dabei geht es längst nicht mehr ausschließlich um klassische IT. Die Schwarz Gruppe will ihre gesamte digitale Wertschöpfung möglichst selbst kontrollieren – von Cloud-Infrastruktur über Cybersecurity bis hin zu künstlicher Intelligenz und künftig auch Quantencomputing.

Diese Strategie ist für einen Handelskonzern bemerkenswert. Während viele Händler bei zentralen digitalen Anwendungen auf externe Technologieanbieter angewiesen sind, baut Schwarz mit Stackit, Schwarz Digits und weiteren Technologieaktivitäten zunehmend ein eigenes Ökosystem auf.

Das Thema digitale Souveränität spielt dabei eine wichtige Rolle. Gerade nach den zahlreichen Cyberangriffen der vergangenen Jahre und angesichts der wachsenden Abhängigkeit von großen US-Technologiekonzernen will Schwarz offenbar möglichst viele kritische Kompetenzen selbst beherrschen.

Die größte Baustelle heißt Warenwirtschaft

Neuer Schwarz digits-Campus Bad Friedrichshall Foto: Supermarkt-Inside

So beeindruckend der neue Campus ist: Eine der wichtigsten Baustellen befindet sich nicht im Gebäude, sondern in der IT-Infrastruktur von Lidl.

Das Projekt „Wawi Nexus“, also der Aufbau des neuen Lidl-Warenwirtschaftssystems, gilt laut dem Bericht als eines der größten Einzelprojekte innerhalb der Schwarz Gruppe. Die Entwicklung ist bereits weit fortgeschritten, abgeschlossen ist das Projekt jedoch noch nicht.

Besonders anspruchsvoll ist die geplante Migration des Systems von Microsoft Azure in die eigene Schwarz-Cloud Stackit. Nach aktuellem Stand soll dieser Prozess noch rund zwei Jahre dauern. Ziel ist, dass die Warenwirtschaft anschließend vollständig auf der eigenen Cloud-Infrastruktur betrieben werden kann.

Für Lidl ist das von enormer Bedeutung. Die Warenwirtschaft bildet schließlich das digitale Rückgrat des Handelsgeschäfts. Von Beständen über Bestellungen bis hin zu zahlreichen Abläufen in den Filialen hängen zentrale Prozesse von stabilen und leistungsfähigen IT-Systemen ab.

Auch andere Handelsunternehmen zeigen inzwischen Interesse daran, ihre SAP-Systeme in die Stackit-Cloud zu migrieren. Schwarz Digits baut damit neben dem Eigenbedarf gleichzeitig ein potenzielles Geschäftsfeld auf.

Der Schritt vom Händler zum Technologieanbieter wird damit immer deutlicher.

KI und Quantencomputing: Schwarz denkt bereits weiter

Foto: Schwarz Gruppe 

Während die Migration der bestehenden Systeme noch läuft, beschäftigt sich Schwarz Digits bereits mit der nächsten Technologiegeneration.

Künstliche Intelligenz spielt dabei eine immer größere Rolle. Im Handelsgeschäft entstehen enorme Datenmengen, die verarbeitet und ausgewertet werden müssen. Laut dem Bericht werden allein nachts mehrere Milliarden KI-Entscheidungen automatisiert getroffen. Für einzelne Entscheidungen können dabei mehrere Millionen Berechnungen notwendig sein.

Das Problem: Die Rechenkapazitäten werden zunehmend zum Engpass. Wenn beispielsweise Filialdaten, Lagerbestände, Bestellungen und andere Informationen in immer kürzerer Zeit verarbeitet werden müssen, reichen klassische Rechenstrukturen irgendwann nicht mehr aus.

Genau hier kommt das Thema Quantencomputing ins Spiel.

Schwarz Digits hat sich im vergangenen Jahr am finnisch-deutschen Startup IQM beteiligt. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der Entwicklung von Quantencomputern. Schwarz will die Technologie perspektivisch nicht nur selbst nutzen, sondern auch als Quantum as a Service über die eigene Cloud anbieten.

Für den Lebensmittelhandel klingt das zunächst nach Zukunftsmusik. Doch gerade Handelsunternehmen gehören zu den Branchen mit besonders komplexen Optimierungsproblemen: Millionen Artikel, tausende Filialen, Lieferketten, Lagerbestände, Preise, Nachfrageprognosen und Transportwege müssen permanent aufeinander abgestimmt werden.

Sollten Quantencomputer künftig bestimmte dieser Berechnungen deutlich schneller lösen können, könnte daraus ein echter Wettbewerbsvorteil entstehen.

Der Weg vom Händler zum Tech-Konzern

Foto: © 2025 Schwarz Digits

Der neue Campus zeigt damit eindrucksvoll, wohin sich die Schwarz Gruppe entwickelt. Lidl und Kaufland bleiben das Kerngeschäft – aber die technologische Infrastruktur dahinter wird zunehmend zu einem strategischen Geschäftsfeld.

Cybersecurity, Cloud, KI, Daten und Quantencomputing sind längst keine Nebenprojekte mehr. Sie entscheiden darüber, wie effizient ein moderner Lebensmittelhändler seine Filialen, Warenströme und Lieferketten steuern kann.

Der neue Campus ist deshalb vor allem ein sichtbares Symbol für diesen Wandel. Allerdings ist die digitale Reise noch nicht beendet. Selbst am neuen Standort stehen teilweise noch Baustellen. Und auch die geplante S-Bahn-Station sowie die Radweganbindung lassen laut Bericht noch auf sich warten.

Die spannendere Baustelle befindet sich allerdings unsichtbar unter der Oberfläche: in der Cloud.

Wenn Schwarz Digits es schafft, die eigene digitale Infrastruktur konsequent mit dem Handelsgeschäft von Lidl und Kaufland zu verzahnen, könnte daraus langfristig ein Wettbewerbsvorteil entstehen, der weit über den klassischen Lebensmitteleinzelhandel hinausgeht.

Schwarz baut damit nicht nur einen neuen Campus. Die Gruppe baut ihre eigene digitale Handelsinfrastruktur.

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