Heilbronn und Umgebung wird immer mehr zur Kommandozentrale der digitalen Schwarz-Welt

Schwarz digits-Campus Bad Friedrichshall Foto: Supermarkt-Inside
Die Schwarz-Gruppe macht keinen Hehl mehr daraus, dass sie weit mehr sein will als Europas größter Lebensmitteleinzelhändler. Auf der gemeinsam mit dem Handelsblatt veranstalteten „Tech“-Konferenz in Heilbronn präsentierte sich der Konzern erneut als Technologieunternehmen mit milliardenschweren Ambitionen. Die Botschaft von Schwarz-Komplementär Gerd Chrzanowski war eindeutig: Wer Digitalisierung ernst nehme, dürfe sich nicht allein auf sein Kerngeschäft konzentrieren.
Für den Lebensmitteleinzelhandel ist das eine bemerkenswerte Entwicklung. Während viele Händler noch daran arbeiten, Prozesse zu digitalisieren oder Daten besser zu nutzen, investiert die Schwarz-Gruppe längst in digitale Infrastruktur, Cloud-Dienste, Cybersecurity und Künstliche Intelligenz. Die Strategie dahinter ist klar: Wer künftig digitale Wertschöpfung kontrollieren will, muss die zugrunde liegende Infrastruktur selbst beherrschen.
Besonders sichtbar wird dieser Ansatz bei Schwarz Digits, der Technologiesparte des Konzerns. Deren Ziel ist es, digitale Lösungen nicht nur für die eigenen Handelsunternehmen Lidl und Kaufland bereitzustellen, sondern zunehmend auch für externe Kunden und öffentliche Institutionen.
Wire und Stackit: Der Kampf um digitale Souveränität

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Fotograf: Schwarz Corporate Affairs
Ein zentrales Projekt ist der Messenger-Dienst Wire. Die Schwarz-Gruppe arbeitet daran, die Plattform gemeinsam mit der eigenen Cloud-Lösung Stackit zu einem souveränen europäischen Kommunikationsangebot auszubauen. Christian Müller, Co-CEO von Schwarz Digits, kündigte an, dass die Entwicklung des neuen Frontends in den kommenden Monaten abgeschlossen werden soll.
Die Ambitionen reichen dabei deutlich über klassische Unternehmenskommunikation hinaus. Wire soll eine europäische Alternative zu internationalen Plattformen werden – mit besonderem Fokus auf Datensicherheit und digitaler Unabhängigkeit. Dass bereits Polizeibehörden in Mexiko auf die Lösung setzen, soll die Leistungsfähigkeit des Systems unterstreichen.
Für den Handel ist diese Entwicklung mehr als ein Nebenprojekt. Die Diskussion um digitale Souveränität gewinnt angesichts geopolitischer Spannungen und wachsender Abhängigkeiten von US-amerikanischen Technologiekonzernen zunehmend an Bedeutung. Schwarz positioniert sich hier als Anbieter einer europäischen Alternative – und schafft gleichzeitig neue Geschäftsfelder jenseits des klassischen Handels.
Damit verfolgt die Gruppe eine Strategie, die bislang kaum ein anderer europäischer Händler in vergleichbarer Konsequenz umsetzt: Die eigene Größe und Finanzkraft werden genutzt, um digitale Infrastruktur aufzubauen, die künftig selbst zum Geschäft werden soll.
Schwarz Gruppe: Milliarden für KI – doch die Chipfrage bleibt die größte Herausforderung

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Noch größer sind die Pläne beim geplanten KI-Rechenzentrum in Lübbenau. Rund elf Milliarden Euro will die Schwarz-Gruppe in das Projekt investieren. Das Rechenzentrum soll zu den leistungsfähigsten Anlagen Europas gehören und mit bis zu 100.000 Hochleistungschips ausgestattet werden.
Für die Schwarz-Gruppe wäre das ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum Technologieanbieter. Gleichzeitig zeigt das Projekt aber auch die Herausforderungen, mit denen die gesamte Branche derzeit konfrontiert ist.
Robert Jozic von Schwarz Digits verwies auf die massive Kostensteigerung bei Hochleistungschips. Die Nachfrage nach KI-Hardware steigt weltweit rasant, während sich die Innovationszyklen immer weiter verkürzen. Neue Chip-Generationen kommen inzwischen nahezu jährlich auf den Markt und liefern ein Vielfaches der bisherigen Leistung. Für Investoren bedeutet das einen schwierigen Balanceakt zwischen früher Beschaffung und technologischem Fortschritt.
Aus Sicht des Handels ist diese Entwicklung von großer Bedeutung. Künstliche Intelligenz wird künftig entlang der gesamten Wertschöpfungskette eingesetzt werden – von der Sortimentsplanung über Preisgestaltung und Logistik bis hin zur Kundenansprache. Wer Zugang zu leistungsfähiger Recheninfrastruktur hat, verschafft sich dabei erhebliche Wettbewerbsvorteile.
Ein Hoffnungsschimmer kommt aus Dresden. Dort steht die neue Halbleiterfabrik von Infineon kurz vor der Inbetriebnahme. Die Anlage wurde nach Unternehmensangaben sogar schneller als geplant und innerhalb des vorgesehenen Budgets fertiggestellt. Zusätzliche Produktionskapazitäten in Europa könnten langfristig dazu beitragen, Lieferketten zu stabilisieren und die Abhängigkeit von asiatischen Herstellern zu reduzieren.
Für die Schwarz-Gruppe ist das eine gute Nachricht. Denn die Zukunftsstrategie des Konzerns hängt zunehmend nicht mehr nur von Verkaufsflächen und Filialnetzen ab, sondern von Servern, Chips und Rechenleistung. Der Wandel vom Händler zum Technologieunternehmen ist längst in vollem Gange.
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