Schwarz-Gruppe fordert digitale Unabhängigkeit: Gerd Chrzanowski macht Europas Datensouveränität zur Chefsache

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Der Handel der Zukunft wird nicht nur über Preise und Sortimente entschieden – sondern über Daten. Schwarz-Chef Gerd Chrzanowski hat beim Unternehmertag Baden-Württemberg deutlich gemacht, dass digitale Souveränität für Europa längst zu einer wirtschaftspolitischen Kernfrage geworden ist. Für den Lebensmittelhandel könnte das weitreichende Folgen haben.
Schwarz Digits wird zum strategischen Wettbewerbsvorteil
Es war ein symbolträchtiger Tag für die Schwarz-Gruppe. Am Morgen eröffnete Gerd Chrzanowski den neuen Digital Campus von Schwarz Digits in Bad Friedrichshall – am Abend warb er beim Unternehmertag Baden-Württemberg in Stuttgart für nichts Geringeres als eine digitale Neuausrichtung Europas.
Dabei machte der Chef der Schwarz-Gruppe deutlich, dass Digitalisierung heute weit mehr bedeutet als Software oder künstliche Intelligenz. Im Mittelpunkt stehen Datensouveränität, Cybersecurity, Cloud-Infrastrukturen und der Schutz sensibler Unternehmensdaten.
Was ursprünglich als interne Lösung für Lidl, Kaufland, PreZero und die weiteren Unternehmen der Schwarz-Gruppe entwickelt wurde, entwickelt sich zunehmend zu einem eigenständigen Geschäftsmodell. Schwarz Digits positioniert sich als europäische Alternative zu den großen amerikanischen und chinesischen Technologieanbietern – ein Markt, dessen Bedeutung in den kommenden Jahren erheblich wachsen dürfte.
Gerade der Lebensmitteleinzelhandel verarbeitet täglich Milliarden von Transaktionen und Kundendaten. Wer diese Daten sicher verwaltet und unabhängig speichern kann, verschafft sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Deutschland besitzt einen Datenschatz – nutzt ihn aber zu wenig

Foto: © 2025 Schwarz Digits
In seiner Rede warnte Chrzanowski eindringlich davor, Europas wertvollsten Rohstoff leichtfertig aus der Hand zu geben: Daten.
Deutschland verfüge über einen enormen Schatz an Industrie-, Produktions- und Wirtschaftsdaten. Dieser dürfe weder von amerikanischen noch von chinesischen Plattformen kontrolliert werden. Dabei gehe es ausdrücklich nicht um Abschottung oder Protektionismus.
Die Botschaft lautet vielmehr: Europa müsse künftig selbst entscheiden können, mit welchen Partnern es zusammenarbeitet – und dürfe nicht in technologische Abhängigkeiten geraten.
Diese Argumentation gewinnt angesichts geopolitischer Spannungen, zunehmender Cyberangriffe und wachsender regulatorischer Anforderungen immer mehr an Bedeutung. Unternehmen suchen heute nach vertrauenswürdigen europäischen Alternativen für Cloud-Services und Datensicherheit.
Die Schwarz-Gruppe scheint diese Entwicklung früh erkannt zu haben und investiert Milliarden in den Aufbau einer eigenen digitalen Infrastruktur.
Schwarz-Gruppe: Klare Worte an Politik und Wirtschaft

Schwarz digits-Campus Bad Friedrichshall Foto: Supermarkt-Inside
Neben der Digitalisierung richtete Chrzanowski auch deutliche Worte an Politik und Gesellschaft. Deutschland müsse den Mut haben, liebgewonnene Strukturen zu hinterfragen. Ein einfaches “Weiter so” werde den Wirtschaftsstandort nicht zukunftsfähig machen.
Unterstützung erhielt er dabei von BDI-Präsident Peter Leibinger. Auch dieser kritisierte, dass Deutschland bislang zu stark versuche, bestehende Industrien zu bewahren, anstatt konsequent auf Zukunftstechnologien zu setzen.
Leibinger sprach sich für mehr Innovationsbereitschaft, höhere Produktivität und den konsequenten Einsatz industrieller Künstlicher Intelligenz aus. Gleichzeitig mahnte er an, dass Deutschland international an Wettbewerbsfähigkeit verliere und wirtschaftspolitisch wieder mutiger werden müsse.
Diese Aussagen spiegeln eine Entwicklung wider, die inzwischen in vielen Vorstandsetagen diskutiert wird: Wettbewerbsfähigkeit entsteht künftig nicht allein durch Produktionskapazitäten, sondern durch digitale Kompetenz.
Was bedeutet das für den Lebensmittelhandel?

Foto: Schwarz Gruppe
Für den Handel ist diese Entwicklung von enormer Bedeutung.
Digitale Plattformen entwickeln sich zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Wer über sichere Cloud-Infrastrukturen, leistungsfähige KI-Anwendungen und eine unabhängige Datenstrategie verfügt, kann Prozesse effizienter steuern, Lieferketten optimieren und Kunden individueller ansprechen.
Die Schwarz-Gruppe verfolgt dabei eine Strategie, die weit über den klassischen Lebensmitteleinzelhandel hinausgeht. Während Lidl und Kaufland weiterhin das operative Geschäft prägen, entsteht mit Schwarz Digits ein zweites strategisches Standbein mit erheblichem Wachstumspotenzial.
Bemerkenswert ist dabei, dass Schwarz seine digitalen Lösungen nicht ausschließlich für den Eigenbedarf entwickelt, sondern zunehmend auch Unternehmen sowie der öffentlichen Verwaltung anbietet. Damit könnte sich die Unternehmensgruppe langfristig als einer der wichtigsten europäischen Technologieanbieter etablieren.
Supermarkt-Inside Fazit

Foto: Supermarkt-Inside mit KI-Support
Die Rede von Gerd Chrzanowski war weit mehr als ein Appell für bessere IT-Sicherheit. Sie zeigt, wohin sich die Schwarz-Gruppe strategisch entwickelt: vom Handelskonzern hin zu einem Technologieunternehmen mit europäischem Anspruch.
Während viele Händler noch über KI-Projekte oder einzelne Digitalisierungsmaßnahmen sprechen, investiert Schwarz längst in die digitale Infrastruktur der Zukunft. Datensouveränität entwickelt sich dabei zunehmend zum Wettbewerbsfaktor – nicht nur für den Handel, sondern für den gesamten Wirtschaftsstandort Europa.
Sollte diese Strategie aufgehen, könnte Schwarz Digits in einigen Jahren ebenso bedeutend werden wie Lidl oder Kaufland selbst. Die Weichen dafür werden heute gestellt.
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