Kaufland unter Druck: Ausland rettet die Bilanz – doch Deutschland bleibt die Großbaustelle!

Marktplatz-Offensive, Milliarden für die Produktion und ein Heimatmarkt, der Sorgen bereitet

Foto: Kaufland

Während die Konkurrenz um Marktanteile kämpft, präsentiert sich Kaufland auf den ersten Blick robust. Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2025/26 auf rund 36 Milliarden Euro – ein Plus von 4,3 Prozent. Doch hinter den erfreulichen Zahlen verbirgt sich eine Entwicklung, die den Verantwortlichen in Neckarsulm durchaus Kopfzerbrechen bereiten dürfte: Das Wachstum kommt fast ausschließlich aus dem Ausland. Im Heimatmarkt Deutschland läuft längst nicht alles nach Plan.

Besonders Rumänien und weitere osteuropäische Länder entwickelten sich erneut zu den Wachstumstreibern der Schwarz-Tochter. Selbst in Polen gelang offenbar die Trendwende. Deutschland hingegen bleibt das Sorgenkind. Bereits nach wenigen Monaten reagierte Kaufland auf schwächere Entwicklungen mit personellen Veränderungen an der Spitze des Deutschland-Geschäfts. Ein ungewöhnlich früher Schritt, der zeigt, wie groß der Handlungsdruck inzwischen geworden ist.

Deutschland verliert an Dynamik – Kaufland setzt auf Frische und Einkaufserlebnis

Auf einer Verkaufsfläche von circa 5.000 Quadratmetern liegt der Fokus unter anderem auf der Frische-Abteilungen für Obst und Gemüse. Foto: Kaufland

Zwar spricht das Unternehmen davon, insbesondere im zweiten Halbjahr bei Umsatz und Kundenfrequenz wieder zugelegt zu haben. Branchenbeobachter berichten jedoch, dass die ursprünglich geplanten Umsatzziele dennoch verfehlt wurden.

Dabei investierte Kaufland allein im vergangenen Jahr kräftig in den deutschen Markt und eröffnete rund 20 neue Filialen. Diese sollen künftig einen zusätzlichen Jahresumsatz von rund einer halben Milliarde Euro erwirtschaften. Doch neue Standorte allein reichen offensichtlich nicht aus, um den zunehmenden Wettbewerbsdruck durch Discounter, Vollsortimenter und den Onlinehandel auszugleichen.

Die Antwort des Unternehmens lautet deshalb: mehr Frische, attraktivere Märkte und ein verbessertes Einkaufserlebnis. Gerade in diesen Bereichen entscheidet sich künftig, ob sich Verbraucher bewusst für einen Einkauf bei Kaufland entscheiden oder lieber kleinere, bequemere Formate wählen.

Online-Marktplatz wird europäisch – Spanien und Niederlande folgen

Kaufland bringt seine Marktplätze jetzt auch nach Polen und Österreich. Der Livegang ist für den Spätsommer geplant. Grafik: Kaufland

Ein weiteres zentrales Zukunftsprojekt bleibt der Kaufland-Marktplatz. Nachdem die Plattform bereits nach Italien und Frankreich expandiert wurde, folgen nun Spanien und die Niederlande.

Die operative Verantwortung für den Marktplatz liegt inzwischen vollständig bei Kaufland selbst. Offizielle Umsatzzahlen nennt die Schwarz-Gruppe zwar nicht. Brancheninformationen zufolge sollen die Provisionserlöse mittlerweile jedoch bereits in einer Größenordnung von rund 300 Millionen Euro liegen.

Damit entwickelt sich der Online-Marktplatz zunehmend zu einer wichtigen zweiten Ertragssäule neben dem klassischen Filialgeschäft. Gleichzeitig stärkt Kaufland damit seine Position gegenüber internationalen Plattformen wie Amazon oder Temu und baut sein europäisches Ökosystem konsequent weiter aus.

Schwarz Produktion wächst rasant – Milliarden für mehr Unabhängigkeit

Foto: SCHWARZ PRODUKTION STIFTUNG & CO. KG

Mindestens ebenso spannend ist der Blick auf die Schwarz Produktion. Während viele Händler ihre Eigenmarken weiterhin überwiegend extern produzieren lassen, baut die Schwarz-Gruppe ihre eigene industrielle Fertigung konsequent aus.

Der Umsatz der Schwarz Produktion stieg im vergangenen Geschäftsjahr um beeindruckende 23,9 Prozent auf rund 5,7 Milliarden Euro. Dazu beigetragen haben sowohl die Übernahme des Marmeladenherstellers Göbber als auch zusätzliche Kapazitäten beim britischen Getränkeabfüller MEG Derby.

Vor allem aber wächst der Bedarf an Produkten aus eigener Herstellung parallel zum Wachstum von Lidl und Kaufland in Europa. Die Strategie dahinter ist klar: größere Unabhängigkeit von internationalen Lieferketten und mehr Kontrolle über Qualität, Verfügbarkeit und Kosten.

Allein in den Ausbau des Bonback-Standortes in Halle investiert die Schwarz-Gruppe rund 300 Millionen Euro. Dort sollen künftig Backwaren und Teiglinge für die Backstationen von Lidl und Kaufland produziert werden. Rund 400 neue Arbeitsplätze entstehen dabei.

Supermarkt-Inside-Fazit

Foto: Supermarkt-Inside erstellt mit KI Support

Die aktuellen Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. International bleibt Kaufland auf Wachstumskurs und baut seine Position in Ost-Europa konsequent aus. Der Online-Marktplatz entwickelt sich zunehmend zu einem strategisch wichtigen Geschäftsfeld, während die Schwarz Produktion die Versorgungssicherheit innerhalb des Konzerns stärkt und langfristig Wettbewerbsvorteile schaffen dürfte.

Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass der deutsche Heimatmarkt längst nicht mehr der Selbstläufer vergangener Jahre ist. Die personellen Veränderungen, die Investitionen in Frische sowie die Modernisierung der Märkte zeigen, dass Kaufland selbst erheblichen Handlungsbedarf sieht.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Reichen Investitionen und neue Konzepte aus, um Deutschland wieder zu einem echten Wachstumsmotor zu machen – oder wird das Ausland dauerhaft der wichtigste Ergebnistreiber bleiben?

Die kommenden zwölf Monate dürften für Kaufland zu den spannendsten der vergangenen Jahre gehören.

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Fotos: Archiv Supermarkt-Inside und wie gekennzeichnet

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