Kaufland dreht den Markt: Wie die Schwarz-Gruppe Polen zurückerobert

Nach weiteren herausfordernden Jahren ist es geschafft: Kaufland gelingt in Polen die Trendwende. Der ewige Kampf von Kaufland in Polen soll sich jetzt zum guten wenden.

Nach zwei herausfordernden Jahren ist es geschafft: Kaufland gelingt in Polen die Trendwende – und das mit Signalwirkung für den gesamten europäischen Lebensmitteleinzelhandel. Aus Sicht der Schwarz Gruppe ist dieser Erfolg weit mehr als nur ein regionales Comeback. Es ist ein strategischer Beweis dafür, dass großflächiger Handel auch in einem hochkompetitiven Markt neu wachsen kann – wenn er sich konsequent anpasst.

Mit einem flächenbereinigten Umsatzplus von rund fünf Prozent im Geschäftsjahr 2025/26 und einem geschätzten Gesamtwachstum von bis zu sieben Prozent zeigt Kaufland in Polen, wie Transformation im Handel funktioniert. Noch im Vorjahr stand ein Minus von vier Prozent zu Buche – ein klarer Wendepunkt also, der nicht zufällig entstanden ist.

Vom Kaufland-Krisenmodus zur Wachstumsstrategie

Erstmals setzt Kaufland in Marktredwitz auf Holzpfosten und Leimbinder im Unterbau. Foto: Kaufland

Die Ausgangslage war ernst: Zwei Jahre mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen hatten deutlich gemacht, dass das bestehende Konzept nicht mehr ausreichte. Der polnische Markt gilt als einer der dynamischsten, aber auch härtesten in Europa – geprägt von Discountern, aggressiven Preisen und wachsendem Online-Wettbewerb.

Der Turnaround begann mit einer klaren strategischen Neuausrichtung. Unter der Führung von Stefan Hoppe wurden zentrale Hebel identifiziert und konsequent umgesetzt. Besonders entscheidend: die Rückbesinnung auf Kundenbedürfnisse, die der neue GLV Martin Pietrak, (der eine Traumkarriere bei Kaufland hingelegt hat) nun konsequent weiterentwickelt.

Für die Schwarz-Gruppe ist das ein bekanntes Prinzip – aber eines, das in Polen neu interpretiert werden musste. Weg vom reinen Preisfokus, hin zu einem differenzierten Einkaufserlebnis. Genau hier setzte Kaufland an.

Sortiment, Regionalität und Digitalisierung als Wachstumstreiber

Ein zentraler Erfolgsfaktor war der massive Ausbau des Sortiments – vor allem im Bereich regionaler Produkte. In einem Markt, in dem Konsumenten zunehmend Wert auf Herkunft und Qualität legen, konnte sich Kaufland so klar positionieren.

Regionale Lieferanten wurden stärker integriert, lokale Produkte sichtbarer gemacht. Das Ergebnis: höhere Kundenbindung und steigende Warenkörbe. Für den Lebensmitteleinzelhandel ist das ein deutliches Signal: Standardisierung allein reicht nicht mehr – Differenzierung ist der Schlüssel.

Parallel dazu hat Kaufland die Digitalisierung konsequent vorangetrieben. Die Einführung des digitalen Handzettels markiert dabei einen entscheidenden Schritt. Statt klassischer Prospekte erreicht der Händler seine Kunden nun direkt über digitale Kanäle – personalisiert, flexibel und vor allem zielgruppengenau.

Gerade jüngere Haushalte und Familien reagieren positiv auf diese Form der Ansprache. Sie planen ihren Einkauf digital, vergleichen Angebote in Echtzeit und erwarten nahtlose Übergänge zwischen Online- und Offline-Welt. Kaufland hat diese Entwicklung nicht nur erkannt, sondern aktiv genutzt.

Expansion bei Kaufland in Polen, ein klares Zukunftssignal

Nach der Stabilisierung folgt nun der nächste Schritt: Wachstum durch Expansion. Mit aktuell rund 261 Standorten und einem Umsatzniveau von etwa 14,5 Milliarden Zloty hat Kaufland bereits wieder die Stärke früherer Jahre erreicht.

Doch die Ambitionen gehen weiter. Bis 2030 sollen rund 300 Filialen in Polen betrieben werden. Jährlich sind 10 bis 15 Neueröffnungen geplant – ein klares Bekenntnis zum Markt.

Für die Schwarz-Gruppe ist das mehr als Flächenwachstum. Es ist ein strategisches Investment in einen Schlüsselmarkt Europas. Polen bietet nicht nur wirtschaftliches Potenzial, sondern auch eine junge, konsumfreudige Bevölkerung und eine hohe Dynamik im Handel. Allerdings konnte Kaufland in Polen seit der Eröffnung der ersten Filialen im Jahr 2000 nie so richtig an die tollen Erfolge der Kaufland Nachbarmärkte wie z.b. in Tschechien Republik oder in der Slowakei im Umsatz und Ertragsniveau aufschließen. Das könnte sich nun definitiv ändern.

Was der Handel daraus lernen kann

Auf 3.700 Quadratmetern bietet Kaufland seinen Kunden mit einer zweiten Filiale in Weingarten ein umfangreiches Sortiment an Lebensmitteln und allem für den täglichen Bedarf. Foto: Kaufland

Der Turnaround von Kaufland in Polen zeigt exemplarisch, wie sich der Lebensmitteleinzelhandel neu erfinden kann. Drei zentrale Erkenntnisse lassen sich festhalten:

Erstens: Kundennähe schlägt Preiswettbewerb. Wer die Bedürfnisse der Konsumenten versteht und darauf eingeht, schafft nachhaltiges Wachstum.

Zweitens: Digitalisierung ist kein Zusatz, sondern Voraussetzung. Der digitale Handzettel ist nur ein Beispiel für die notwendige Transformation.

Drittens: Expansion funktioniert nur auf stabiler Basis. Wachstum ist kein Selbstzweck, sondern das Ergebnis einer funktionierenden Strategie.

Die Schwarz-Gruppe beweist mit Kaufland einmal mehr ihre Fähigkeit zur Anpassung – und setzt damit Maßstäbe für den europäischen Handel. Der Erfolg in Polen ist kein Einzelfall, sondern ein Modell für zukünftige Märkte.

Der Wettbewerb wird darauf reagieren müssen. Denn eines ist klar: Wer heute nicht transformiert, wird morgen nicht mehr wachsen.

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