Aldi holt ehemaligen Lidl-Manager nach Polen: Angriff auf den Discounter-Markt

Aldi Nord wechselt in Polen den CEO aus. Mit Adam Miszczyszyn übernimmt zum November ein Manager, der den polnischen Discountmarkt bestens kennt – und fast zwei Jahrzehnte Erfahrung bei Lidl mitbringt. Seine Mission ist anspruchsvoll: Aldi soll in Polen wachsen, effizienter werden und endlich schwarze Zahlen schreiben.
Polen gehört für Aldi Nord zu den wichtigsten internationalen Expansionsmärkten. Doch der Discounter hat dort bislang nicht die Position erreicht, die sich die Essener offenbar vorgenommen haben. Während Marktführer Biedronka und Lidl ihr Filialnetz weiter ausbauen und ihre Marktposition festigen, bleibt Aldi in Polen vergleichsweise klein.
Jetzt zieht Aldi personell eine Konsequenz.
Der bisherige CEO Wojciech Lubienski hat das Unternehmen nach fünf Jahren verlassen. Übergangsweise führt Vice-CEO Octavian Preda das Geschäft. Zum 1. November soll Adam Miszczyszyn das Ruder übernehmen – und damit ausgerechnet ein ehemaliger Lidl-Manager.
Vom Lidl-Einkauf an die Spitze von Aldi Polen

Foto: Supermarkt-Inside
Miszczyszyn bringt für seine neue Aufgabe eine ungewöhnlich passende Vita mit. Rund 20 Jahre war er für Lidl tätig und bekleidete dort unterschiedliche Führungspositionen.
Besonders interessant für Aldi: Miszczyszyn kennt den polnischen Markt nicht nur aus der Distanz. Er war rund acht Jahre im Einkauf von Lidl Polen tätig. Anschließend wechselte er zu Lidl International, wo er etwa drei Jahre als Bereichsvorstand für den Einkauf in Osteuropa verantwortlich war.
Zuletzt stand er als CEO an der Spitze des tschechischen Lidl-Geschäfts.
Damit wechselt ein Manager die Seiten, der die Mechanik des Discountgeschäfts aus nächster Nähe kennt: Einkauf, internationale Warenströme, Kostenstrukturen, Expansion und die Besonderheiten der osteuropäischen Märkte.
Miszczyszyn ist zudem nicht der erste Lidl-erfahrene Manager, den Aldi Nord in einer Führungsposition einsetzt. Auch Aldi-Nord-Landeschef Alexander Frech in Portugal verfügt über eine langjährige Lidl-Vergangenheit.
Für Aldi ist der Personalwechsel deshalb mehr als eine klassische CEO-Nachbesetzung. Der neue Landeschef soll offenbar vorhandenes Wissen über den wichtigsten Wettbewerber direkt in die eigene Organisation einbringen.
410 Filialen, 1,1 Milliarden Euro Umsatz – aber noch keine schwarzen Zahlen

Foto: Supermarkt-Inside / Lidl in Polen
Die Ausgangslage in Polen ist ambivalent.
Aldi hat sein Filialnetz in den vergangenen Jahren kontinuierlich und teilweise kräftig ausgebaut. Nach den vorliegenden Angaben betreibt der Discounter inzwischen rund 410 Standorte und erwirtschaftete zuletzt etwa 1,1 Milliarden Euro Umsatz.
Auf den ersten Blick sind das beeindruckende Dimensionen.
Doch Aldi hat ein Problem: Die verfügbaren Bilanzen bis einschließlich 2024 weisen weiterhin Verluste für das Polen-Geschäft aus.
Genau hier dürfte eine der zentralen Aufgaben von Miszczyszyn liegen.
Denn Wachstum allein reicht Aldi in Polen offenbar nicht. Der neue CEO muss das bestehende Filialnetz produktiver machen und die Umsätze pro Standort deutlich steigern. Ziel ist letztlich, Aldi Polen aus der Verlustzone zu führen.
Der Vergleich mit Lidl zeigt, wie schwierig diese Aufgabe ist. Lidl ist in Polen seit Jahren stark etabliert und verfügt über eine hohe Marktdurchdringung. Noch größer ist Biedronka, die mit ihrem dichten Filialnetz zu den prägendsten Handelsunternehmen des Landes gehört.
Aldi muss sich somit nicht nur gegen andere Discounter behaupten. Der Wettbewerb findet um Standorte, Frequenz, Preise, Sortimente, Eigenmarken, Logistik und die Wahrnehmung beim Kunden statt.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr nur: Wie viele Aldi-Filialen gibt es in Polen? Sondern: Wie viel Umsatz und Ergebnis erwirtschaftet jede einzelne Filiale?
Neues Logistikzentrum soll die Expansion beschleunigen

Dabei setzt Aldi nicht ausschließlich auf einen neuen Mann an der Spitze. Auch die Infrastruktur wird ausgebaut.
In diesem Jahr wurde ein neues Lager bei Warschau eröffnet. Das Logistikzentrum soll der weiteren Expansion Impulse geben und gleichzeitig dazu beitragen, die Logistikkosten des Discounters zu senken.
Das ist strategisch relevant. Denn bei einem Discounter entscheidet die Logistik maßgeblich darüber, ob zusätzliches Wachstum tatsächlich wirtschaftlich attraktiv ist.
Je größer das Filialnetz wird, desto wichtiger werden effiziente Warenströme, kurze Wege und eine hohe Auslastung der Logistikstrukturen. Ein neues Lager kann deshalb weit mehr sein als ein zusätzliches Gebäude: Es schafft die infrastrukturelle Voraussetzung für die nächste Expansionsphase.
Aldi will den Schwerpunkt des weiteren Wachstums nach den vorliegenden Plänen vor allem auf Zentral- und Nordpolen legen.
Damit könnte sich das Unternehmen stärker auf Regionen konzentrieren, in denen weitere Filialen strategisch sinnvoll in das bestehende Netz integriert werden können.
Der Aldi-Kampf in Polen geht in eine neue Phase

Foto: Supermarkt-Inside mit KI-Support
Der CEO-Wechsel kommt damit zu einem interessanten Zeitpunkt. Aldi hat in Polen bereits erheblich investiert und sein Filialnetz ausgebaut. Gleichzeitig zeigt die wirtschaftliche Entwicklung, dass die kritische Masse offenbar noch nicht erreicht ist.
Adam Miszczyszyn kennt den Wettbewerb und den polnischen Markt. Er kennt Lidl von innen und bringt internationale Einkaufserfahrung mit. Nun muss er dieses Wissen auf die Aldi-Organisation übertragen.
Dabei dürfte es nicht nur um neue Standorte gehen. Aldi muss seine Filialen wirtschaftlich leistungsfähiger machen, die Logistik optimieren und gleichzeitig seine Position gegenüber Biedronka und Lidl schärfen.
Der Wechsel vom Lidl-Manager zum Aldi-Chef macht die Personalie besonders spannend. Denn selten bekommt ein Discounter die Chance, einen Topmanager des direkten Wettbewerbers an die Spitze eines strategisch wichtigen Landesgeschäfts zu setzen.
Für Aldi Polen beginnt damit eine neue Etappe: Vom schnellen Filialwachstum muss der Discounter den Schritt zu nachhaltiger Profitabilität schaffen. Ob der ehemalige Lidl-Mann genau dafür die richtige Strategie findet, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
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