Kaufland baut Handzettel-Verteilung um, kommt der “TIP der Woche” zurück?

Kaufland baut Handzettel-Verteilung um: Rückkehr zu alten Wegen mit neuem Anspruch

Kaufland Werbung zur Neueröffnung 1984 / Foto: Supermarkt-Inside

Der klassische Handzettel ist tot? Von wegen. Während viele Handelsunternehmen ihre gedruckten Werbemittel still und leise zurückfahren, schlägt Kaufland einen anderen Kurs ein. Der Lebensmittelhändler beendet den Versand seiner Handzettel über die Deutsche Post und stellt gleichzeitig den Verteilungstag um. Stattdessen setzt die Schwarz-Tochter künftig wieder stärker auf die Direktverteilung. Ein Schritt zurück – oder doch ein strategischer Schritt nach vorn?

Die Entscheidung kommt nicht zufällig. In Zeiten steigender Kosten, sinkender Reichweiten und wachsender digitaler Konkurrenz steht der Handel unter enormem Effizienzdruck. Gerade der Handzettel, jahrzehntelang eines der wichtigsten Werbemittel des stationären Handels, muss sich neu beweisen. Kaufland ist nun eines der prominentesten Beispiele dafür, wie sich dieser Beweis anfühlen kann.

Abschied von der Post: Warum Kaufland den Versand neu denkt

Jahrzehnte lang verteile Kaufland seine eigene Wochenzeitungen “TIP der Woche” gefüllt mit der Kaufland-Werbung und vieler weiterer Verbraucherinformationen in Eigenverteilung. Nach dieser Epoche ließ Kaufland seine Handzettel vielerorts über die Post verteilen. Das Modell versprach eine flächendeckende Zustellung, hatte aber seinen Preis – finanziell wie organisatorisch. Steigende Portokosten, weniger planbare Zustellqualität und eine zunehmend kritische Bewertung der Reichweite haben das System ins Wanken gebracht.

Mit dem Ausstieg aus dem Postversand reagiert Kaufland auf genau diese Schwächen. Die Rückkehr zur Direktverteilung erlaubt dem Unternehmen wieder mehr Kontrolle über Zustellgebiete, Zeitpunkte und Auflagen. Gleichzeitig wird der Verteilungstag geändert, um besser zum Einkaufsverhalten der Kundinnen und Kunden zu passen. Ziel ist es, die Angebote genau dann präsent zu haben, wenn Einkaufsentscheidungen getroffen werden.

Intern spricht man von einem Effizienzprojekt. Doch dahinter steckt mehr als reine Kostensenkung. Kaufland will den Handzettel wieder zu einem präziseren Instrument machen – weniger Streuverlust, mehr Relevanz. Gerade in ländlichen Regionen und bei preissensiblen Haushalten bleibt das gedruckte Angebot ein wichtiger Impulsgeber.

Zwischen Digitalisierung und Tradition: Der deutsche Sonderweg

Kaufland Werbung 14.1.2026 Foto: Supermarkt-Inside

Deutschlandchef Stefan Hoppe betont, dass Kaufland beim Umbau der Handzettel-Verteilung bewusst Maß hält. Anders als in Polen, wo die Schwarz-Gruppe deutlich radikaler auf digitale Kanäle umgestellt hat, setzt Kaufland hierzulande weiterhin auf einen hybriden Ansatz. Print bleibt – wird aber neu justiert.

Der Grund liegt im deutschen Markt selbst. Trotz wachsender Nutzung von Apps und Online-Angeboten ist die Akzeptanz für gedruckte Werbung nach wie vor hoch. Viele Kundinnen und Kunden blättern gezielt durch Handzettel, vergleichen Preise und planen ihren Einkauf. Für Kaufland wäre ein kompletter Abschied vom Papier daher ein Risiko.

Stattdessen soll Print stärker mit digitalen Kanälen verzahnt werden. QR-Codes, App-Hinweise und kanalübergreifende Angebote gewinnen an Bedeutung. Der Handzettel wird damit weniger zum alleinigen Werbeträger, sondern zum Einstiegspunkt in eine vernetzte Angebotswelt.

Effizienz als Leitmotiv: Was die Umstellung langfristig bedeutet

Mit der Neuorganisation der Handzettel-Verteilung sendet Kaufland ein klares Signal an den Markt. Effizienz steht über Gewohnheit. Was nicht mehr wirtschaftlich oder wirksam ist, wird hinterfragt – selbst wenn es jahrzehntelang funktioniert hat.

Für die Branche könnte das Vorbildcharakter haben. Andere Händler beobachten genau, ob die Direktverteilung tatsächlich bessere Ergebnisse liefert. Gelingt es Kaufland, Reichweite, Kosten und Wirkung besser in Einklang zu bringen, dürfte das Modell Schule machen. Allerdings haben sich schon einige Händler wie z.b. Rewe von der klassischen Prospektverteilung verabschiedet und such nach wie vor nach einer Lösung die richtig funktioniert.

Der Handzettel ist damit keineswegs am Ende. Er verändert sich – und Kaufland gestaltet diesen Wandel aktiv mit. Zwischen Tradition und Transformation entsteht so ein Werbemittel, das vielleicht weniger romantisch, aber dafür umso zielgerichteter ist und den TIP der Woche wird es wohl definitiv nicht wieder geben.

Was haltet ihr von diesem spannenden Thema?  Bitte schreibt uns indes eure Meinung auf Supermarkt Inside.

Fotos: Archiv Supermarkt-Inside und wie gekennzeichnet

Das könnte Sie auch interessieren