Lidl wächst in Ungarn kräftig – und verdient dabei Geld

Foto: Eröffnung von Lidl in Eastland
Der ungarische Lebensmittelhandel bleibt für Lidl ein attraktiver Markt. Trotz hoher staatlicher Belastungen, umfangreicher Regulierung und zuletzt sogar einer angespannten Stromversorgung konnte der Discounter seinen Wachstumskurs fortsetzen.
Im Geschäftsjahr 2025, das Ende Februar 2026 abgeschlossen wurde, kletterte der Nettoumsatz von Lidl Ungarn um rund 12 Prozent auf 1.485,8 Milliarden Forint. Gleichzeitig stieg der Jahresüberschuss auf 34,6 Milliarden Forint. Damit erwirtschaftete das Unternehmen eine Nettomarge von rund 2,3 Prozent.
Bemerkenswert ist das vor allem vor dem Hintergrund der politischen Rahmenbedingungen. Lidl musste allein im vergangenen Geschäftsjahr rund 60 Milliarden Forint an spezieller Einzelhandelssteuer abführen. Einschließlich weiterer Steuern beliefen sich die Zahlungen des Unternehmens an den ungarischen Staat sogar auf mehr als 321 Milliarden Forint.
Dass unter diesen Bedingungen dennoch ein zweistelliger Umsatzanstieg und ein Milliarden-Gewinn in Landeswährung möglich sind, zeigt, wie leistungsfähig das Lidl-Modell inzwischen auch außerhalb des deutschen Heimatmarktes ist.
Effizienz statt nur höhere Preise

Der Erfolg lässt sich dabei offenbar nicht allein mit steigenden Verkaufspreisen erklären. Lidl setzt in Ungarn massiv auf operative Effizienz.
Nach Angaben von Zita Szlavikovics, der Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Lidl Ungarn, wurden unter anderem Bestellmengen optimiert und dadurch Abschriften und Lebensmittelverschwendung reduziert. Gleichzeitig wurden Kosten in verschiedenen Unternehmensbereichen gesenkt.
Genau darin liegt eine der großen Stärken des Discounters: Kleine Verbesserungen an vielen Stellen summieren sich zu einem erheblichen Ergebnisbeitrag. Weniger Abschriften, optimierte Warenbestände, effizientere Prozesse und eine konsequente Kostenkontrolle können gerade im margenschwachen Lebensmittelhandel einen entscheidenden Unterschied machen.
Und Lidl investiert gleichzeitig weiter. Im Geschäftsjahr wurden laut Unternehmensangaben 74,7 Milliarden Forint in den ungarischen Markt gesteckt – unter anderem in neue Filialen, Modernisierungen sowie Logistik- und Lagerinfrastruktur.
Auch die Zahl der Beschäftigten wächst. Lidl beschäftigt inzwischen mehr als 10.000 Menschen in Ungarn. Zudem fungiert das Unternehmen zunehmend als Exportplattform für ungarische Lieferanten: Über das Lidl-Netzwerk gelangten zuletzt Waren ungarischer Hersteller im Wert von rund 160 Milliarden Forint in ausländische Lidl-Filialen.
Der vielleicht interessanteste Punkt: Lidl könnte noch viel größer werden

Für den deutschen Discounter ist der ungarische Markt offenbar noch längst nicht ausgeschöpft.
Lidl betreibt inzwischen rund 220 Filialen im Land. Nach Aussage der Unternehmensführung könnten jedoch weitere Standorte hinzukommen. In 55 Städten beziehungsweise Gemeinden sucht Lidl nach geeigneten Flächen oder bestehenden Gebäuden für neue Märkte.
Der Bremsklotz ist dabei weniger die Nachfrage als vielmehr die Regulierung. Insbesondere die ungarischen Vorschriften zur Genehmigung und Entwicklung größerer Handelsstandorte erschweren die Expansion.
Für Lidl ist das eine bemerkenswerte Situation: Das Unternehmen verfügt über Kapital, ein funktionierendes Geschäftsmodell und eine offenbar weiterhin starke Nachfrage – kann aber nicht überall dort expandieren, wo es wirtschaftlich sinnvoll wäre.
Sollten sich die Rahmenbedingungen verändern, könnte sich das Wachstum deshalb nochmals beschleunigen. Szlavikovics sieht insbesondere mittel- bis langfristig erhebliches Potenzial für zusätzliche Standorte.
Strommangel trifft jetzt auch den Filialbetrieb

Aktuell kommt allerdings noch eine völlig andere Herausforderung hinzu: die angespannte Stromversorgung.
Der extrem niedrige Wasserstand der Donau setzte das ungarische Atomkraftwerk Paks unter erheblichen Druck. Da die Anlage zur Kühlung auf Donauwasser angewiesen ist und Paks einen großen Teil des ungarischen Strombedarfs deckt, rief die Regierung zeitweise zu deutlichen Einsparungen in den Abendstunden auf.
Auch Lidl reagierte darauf mit ungewöhnlichen Maßnahmen. In den Filialen wurden unter anderem die Getränkekühlungen und Teile der Beleuchtung abgeschaltet. Die Backöfen sollten überwiegend bis 17 Uhr genutzt werden, danach wurde die Produktion deutlich eingeschränkt. Auch die E-Ladestationen wurden zeitweise früher abgeschaltet.
Für Kunden bedeutet das: Nach 17 Uhr kann es in einzelnen Bereichen der Lidl-Filialen deutlich weniger Angebot und weniger sichtbare Technik geben. Für den Händler selbst ist die Situation ein zusätzlicher Beleg dafür, wie stark externe Faktoren inzwischen unmittelbar in den täglichen Filialbetrieb hineinwirken.
Lidl hat in Ungarn ein Luxusproblem
Unterm Strich ist die Situation für Lidl dennoch bemerkenswert positiv.
Der Discounter wächst zweistellig, schreibt Gewinn, investiert Milliardenbeträge in Forint, beschäftigt mehr Menschen und baut gleichzeitig sein Geschäft mit ungarischen Lieferanten aus. Das alles trotz Sondersteuer, Preisregulierungen, Expansionsbeschränkungen und einer zeitweise angespannten Energieversorgung.
Das eigentliche Luxusproblem von Lidl lautet deshalb nicht, ob der ungarische Markt Wachstum bietet. Die spannendere Frage ist, wie viel Wachstum möglich wäre, wenn die politischen und regulatorischen Hindernisse reduziert würden.
Für den internationalen Lebensmittelhandel ist Ungarn damit ein interessantes Beispiel: Ein hochprofitables Discountmodell kann selbst unter schwierigen Rahmenbedingungen wachsen – vorausgesetzt, Prozesse, Warensteuerung und Kostenstruktur stimmen.
Und Lidl macht gleichzeitig deutlich, dass die derzeit rund 220 Märkte möglicherweise noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sind.
Supermarkt INSIDE-Fazit:
Ungarn bleibt für Lidl ein Wachstumsmarkt. Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass der Discounter selbst unter hohen staatlichen Belastungen Geld verdienen kann. Noch interessanter ist jedoch das ungenutzte Potenzial: Wenn sich Regulierung und Expansionsbedingungen verbessern, dürfte Lidl seine Präsenz im ungarischen Lebensmittelhandel deutlich ausbauen wollen.
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