Die vermeintlichen Tricks von Lidl – was an den NDR Vorwürfen wirklich dran ist

NDR nimmt den Discounter unter die Lupe – doch von der angekündigten Kundentäuschung bleibt wenig übrig

Foto: Supermarkt-Inside

Tauscht Lidl seine Kunden systematisch? Diesen Eindruck könnte die NDR-Sendung „Die Tricks von Lidl“ vermitteln. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich allerdings: Viele der vermeintlichen “Tricks” gehören längst zum normalen Instrumentarium des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Der Vorwurf einer systematischen Kundentäuschung lässt sich aus den gezeigten Tests jedenfalls nicht ableiten.

Eigenmarken: Lidl macht, was alle Discounter seit Jahren tun

Ein Schwerpunkt der Sendung liegt auf den Eigenmarken. Dass Lidl – ebenso wie Aldi – einen großen Teil seines Sortiments über eigene Marken abdeckt, ist allerdings keine Überraschung. Nach Angaben aus der Sendung entfallen bei Lidl rund 75 Prozent des Sortiments auf Eigenmarken.

Auch dass deren Verpackungen bekannten Markenprodukten ähneln können und Produkte teilweise von denselben Herstellern stammen, ist im Handel keine neue Praxis. Unterschiede gibt es unter anderem bei den Rezepturen. Dafür sind Eigenmarken in der Regel deutlich günstiger als vergleichbare Markenartikel.

Wie groß der Preisunterschied sein kann, zeigte ein Einkauf des NDR-Teams: Ein Warenkorb mit Markenprodukten kostete 42,23 Euro, die entsprechenden Eigenmarken kamen auf 20,89 Euro. Das Einsparpotenzial ist damit erheblich.

Günstiger heißt nicht automatisch schlechter

Foto: Lidl Deutschland / Eigenmarke Solevita

Interessant wird es beim Qualitätsvergleich. Drei Eigenmarken wurden von Experten mit entsprechenden Markenprodukten verglichen. Beim Waschmittel und bei der Heißluftfritteuse fiel das Urteil eindeutig aus: Die deutlich günstigeren Lidl-Produkte konnten qualitativ mit den Markenprodukten mithalten.

Bei den Schoko-Bons spielte dagegen stärker der persönliche Geschmack eine Rolle. Die Unterschiede wurden von den Testern jedoch als gering eingeschätzt.

Für Lidl ist das durchaus eine bemerkenswerte Botschaft: Der Preisvorteil der Eigenmarken muss nicht zwangsläufig mit einem Qualitätsverlust einhergehen.

Lidl Plus: 1,60 Euro Ersparnis für viele Daten?

Kritischer fällt die Bilanz bei der Lidl-Plus-App aus. Das NDR-Team kaufte 20 Alltagsprodukte jeweils mit und ohne Nutzung der App. Das Ergebnis: Mit Lidl Plus betrug die Ersparnis gerade einmal 1,60 Euro.

Dem steht die Nutzung persönlicher Daten gegenüber. Genau hier sehen Verbraucherschützer und Kunden einen relevanten Kritikpunkt: Die Frage ist weniger, ob der Discounter mit der App spartaugliche Angebote macht, sondern welchen Gegenwert die gesammelten Daten für den Kunden tatsächlich haben.

Fazit: Viel Aufregung, wenig Skandal

Foto: Supermarkt-Inside

Unter dem Strich hält die NDR-Sendung nicht ganz, was ihr Titel erwarten lässt. Einen belastbaren Beleg dafür, dass Lidl seine Kunden systematisch täuscht, liefern die gezeigten Beispiele nicht.

Vielmehr zeigt der Test, warum Eigenmarken für Verbraucher attraktiv sein können: deutlich niedrigere Preise bei teilweise vergleichbarer Qualität.

Der eigentliche Erkenntnisgewinn liegt deshalb weniger in vermeintlichen Tricks als in einer einfachen Frage: Was bekommt der Kunde für sein Geld?

 

Content: Supermarkt-Inside mit KI-Support

Was haltet ihr von diesem spannenden Thema?  Bitte schreibt uns indes eure Meinung auf Supermarkt Inside.

Fotos: Archiv Supermarkt-Inside und wie gekennzeichnet

Das könnte Sie auch interessieren