tegut-Zerschlagung: Greift Netto jetzt nach den Filetstücken? Edeka plant den nächsten großen Coup!

Foto: Netto Marken-Discount Stiftung & Co. KG
Mehr als 60 Märkte für Netto – Edeka setzt auf den Discountmotor
Die geplante Übernahme großer Teile des tegut-Filialnetzes entwickelt sich immer mehr zu einem der spannendsten Strukturprojekte im deutschen Lebensmittelhandel. Während bislang vor allem darüber spekuliert wurde, welche Edeka-Regionen welche Standorte übernehmen könnten, zeichnet sich nun ein deutliches Bild ab: Ausgerechnet die Discounttochter Netto Marken-Discount soll das größte Standortpaket erhalten.
Nach Informationen aus Branchenkreisen sollen über 60 der insgesamt 202 zur Übernahme angemeldeten tegut-Märkte künftig unter dem Netto-Logo betrieben werden – selbstverständlich vorbehaltlich der Zustimmung des Bundeskartellamts. Damit würde Netto der größte Gewinner innerhalb der Edeka-Familie werden.
Die Entscheidung überrascht auf den ersten Blick, folgt aber einer klaren wirtschaftlichen Logik.
Kleine Flächen – große Herausforderung

Viele der tegut-Standorte gelten als klassische Nahversorger mit Verkaufsflächen zwischen 400 und 1.000 Quadratmetern. Genau diese Größenordnung stellt für viele selbstständige Edeka-Kaufleute eine wirtschaftliche Herausforderung dar.
Hohe Personalkosten, begrenzte Umsätze und steigende Betriebskosten lassen sich auf kleineren Flächen nur schwer kompensieren. Für klassische Vollsortimenter wird die Wirtschaftlichkeit deshalb zunehmend zum Problem.
Anders sieht die Situation bei Netto aus.
Mit einem deutlich schlankeren Sortiment, standardisierten Prozessen und einer wesentlich effizienteren Kostenstruktur kann der Discounter solche Standorte oftmals profitabel betreiben. Genau deshalb scheint Edeka intern entschieden zu haben, dass Netto künftig dort wachsen soll, wo klassische Edeka-Kaufleute an ihre wirtschaftlichen Grenzen stoßen würden.
Für Netto eröffnet sich damit gleichzeitig die Chance, das eigene Filialnetz in attraktiven Innenstadtlagen und kleineren Nahversorgungslagen auszubauen – Regionen, in denen bislang häufig Wettbewerber wie Rewe, Penny oder Aldi vertreten sind.
Südwest und Hessenring sichern sich die größten Pakete

Foto: EDEKA Minden-Hannover Bildunterschrift: Die neue Inhaberin Kim Christin Hellmich freut sich, nun ihren zweiten Markt selbstständig zu betreiben.
Besonders aktiv zeigen sich die Edeka-Regionen Südwest und Hessenring. Beide Gesellschaften haben jeweils rund 50 Tegut-Standorte beim Bundeskartellamt angemeldet.
Vor allem in Hessen sowie der Rhein-Main-Region möchte Edeka seine Marktposition weiter stärken. Gerade dort besteht aus Sicht des Unternehmens noch Wachstumspotenzial gegenüber Wettbewerber Rewe.
Allerdings stößt Edeka regional bereits an kartellrechtliche Grenzen. Besonders im Südwesten liegt der Marktanteil nach Branchenschätzungen bereits bei rund einem Drittel. Genau deshalb hatte die bisherige tegut-Eigentümerin Migros in einigen Regionen bewusst weniger Standorte angeboten.
Auch die Regionen Nordbayern-Sachsen-Thüringen sowie Südbayern haben Interesse angemeldet – allerdings mit deutlich kleineren Paketen von jeweils rund 15 Märkten. Während Nordbayern insbesondere wegen hoher Marktanteile im Raum Würzburg eingeschränkt ist, richtet Südbayern den Blick vor allem auf ehemalige Basic-Biomärkte im Großraum München.
Kartellamt entscheidet über die Zukunft der tegut Standorte

Die endgültige Verteilung der Märkte liegt nun beim Bundeskartellamt. Die Behörde prüft derzeit sämtliche Anmeldungen von Edeka und Rewe intensiv. Eine Entscheidung wird im August erwartet.
Sollten einzelne Standorte aus kartellrechtlichen Gründen weder an Edeka noch an Rewe vergeben werden dürfen, könnten kleinere Wettbewerber profitieren. Als mögliche Interessenten gelten unter anderem regionale Händler sowie Biofachhändler, die bislang in den Verfahren eher im Hintergrund stehen.
Parallel dazu sollen auch weitere Teile des Tegut-Unternehmens innerhalb der Edeka-Gruppe verteilt werden. Dazu gehören unter anderem die Smart Stores, die Bäckerei Herzberger, die Unternehmenszentrale sowie verschiedene Gewerbeimmobilien.
Supermarkt-Inside meint

Foto: Supermarkt-Inside erstellt mit KI Support
Die geplante Verteilung der Tegut-Standorte zeigt einmal mehr, wie konsequent Edeka inzwischen unterschiedliche Vertriebskonzepte strategisch kombiniert. Während klassische Vollsortimenter hochwertige Standorte übernehmen sollen, übernimmt Netto jene Flächen, die nur mit einem besonders effizienten Discountmodell wirtschaftlich betrieben werden können.
Das ist ein bemerkenswerter Strategiewechsel. Noch vor wenigen Jahren galt Netto vor allem als Ergänzung des Edeka-Netzes. Heute entwickelt sich die Discounttochter zunehmend zu einem zentralen Wachstumsinstrument innerhalb der Gruppe.
Für den Wettbewerb bedeutet das zusätzlichen Druck. Gerade kleinere Nahversorgungsstandorte, die bislang als schwierig galten, könnten mit einem optimierten Discountkonzept neues Potenzial entfalten.
Ob das Bundeskartellamt dieser Strategie in vollem Umfang zustimmt, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch schon heute: Die Aufteilung der Tegut-Märkte wird die Landkarte des deutschen Lebensmittelhandels nachhaltig verändern – und Netto dürfte am Ende einer der größten Gewinner dieser Neuordnung sein.
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