Feneberg gerettet: REWE und LEH Allgäu sichern alle 72 Märkte und die Zukunft der Traditionsmarke

Feneberg gerettet: Warum die Aufteilung zwischen REWE und LEH Allgäu ein Signal für den gesamten Lebensmittelhandel ist

Die Zukunft von Feneberg nimmt konkrete Formen an – und sie könnte zu den bemerkenswertesten Rettungslösungen im deutschen Lebensmitteleinzelhandel der vergangenen Jahre werden. Nach monatelanger Unsicherheit zeichnet sich im Insolvenzverfahren des traditionsreichen Allgäuer Händlers eine Lösung ab, die gleich mehrere Gewinner kennt: die Beschäftigten, die Region, die Kunden – und möglicherweise auch den Wettbewerb.

Mit der geplanten Übernahme aller 72 Märkte sowie der Zentrale in Kempten durch die REWE Group und die LEH Allgäu GmbH bleibt Feneberg nicht nur als Nahversorger erhalten. Vielmehr entsteht ein Modell, das weit über das Allgäu hinaus Beachtung finden dürfte.

Zwei starke Partner teilen sich die Zukunft von Feneberg

Die geplante Aufteilung ist ungewöhnlich – und genau deshalb strategisch interessant. Während die REWE Group rund die Hälfte der Märkte sowie die Landbäckerei Sinz übernehmen möchte, wird die LEH Allgäu GmbH die übrigen Standorte, die Unternehmenszentrale in Kempten sowie die traditionsreiche Marke Feneberg einschließlich des erfolgreichen Regionalprogramms VonHier® weiterführen.

Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die LEH Allgäu GmbH eigenständig und unabhängig von der REWE Group agiert. Damit bleibt Feneberg als eigenständige Regionalmarke erhalten – ein wichtiger Aspekt für viele Verbraucher, die seit Jahrzehnten mit der Marke verbunden sind.

Auch personell setzt man auf Kontinuität: Amelie Feneberg wird künftig Teil der Geschäftsführung der LEH Allgäu GmbH und soll die Weiterentwicklung der Marke aktiv begleiten.

Für die Mitarbeitenden ist die Nachricht ebenfalls ausgesprochen positiv. Sämtliche Märkte sollen erhalten bleiben, die überwiegende Zahl der Arbeitsplätze in der Verwaltung bleibt bestehen und auch die Logistik in Kempten wird fortgeführt. In einer Zeit, in der Insolvenzen häufig mit massiven Filialschließungen verbunden sind, ist dies alles andere als selbstverständlich.

Ein Musterbeispiel für erfolgreiche Restrukturierung?

Die geplante Lösung zeigt eindrucksvoll, wie moderne Sanierung heute funktionieren kann. Statt eines klassischen Verkaufs an einen einzigen Investor entsteht eine arbeitsteilige Lösung, bei der jeder Partner seine jeweiligen Stärken einbringt.

REWE erhält die Möglichkeit, seine Präsenz in Süddeutschland gezielt auszubauen und zusätzliche Standorte in attraktiven Regionen zu integrieren.

Die LEH Allgäu GmbH wiederum übernimmt die Aufgabe, die regionale Identität von Feneberg zu bewahren. Gerade das Markenprogramm VonHier®, das seit Jahren für regionale Erzeuger und kurze Lieferketten steht, besitzt im Allgäu eine enorme Bedeutung und genießt großes Vertrauen bei den Kunden.

Damit verbindet die neue Struktur zwei Welten:

  • die wirtschaftliche Stärke eines der größten Handelskonzerne Deutschlands,
  • kombiniert mit der regionalen Verwurzelung eines eigenständigen Händlers.

Genau diese Kombination könnte zum Erfolgsmodell werden.

Der Wettbewerb im Süden Deutschlands wird sich verändern

Foto: Rewe -Fotonachweis: Christoph Große

Auch aus Marktsicht ist die Entwicklung spannend. REWE stärkt mit dieser Übernahme seine Position in einer Region, in der bislang regionale Anbieter traditionell besonders stark vertreten waren.

Gleichzeitig bleibt mit Feneberg ein regionales Handelsunternehmen erhalten, anstatt vollständig vom Markt zu verschwinden. Das dürfte nicht zuletzt auch im Sinne der Verbraucher sein, denn regionale Handelsmarken sorgen für Differenzierung und Wettbewerb. Interessant ist zudem, dass sämtliche Tankstellen weiterbetrieben werden sollen. Der Betrieb wird künftig durch ein Mineralölunternehmen erfolgen, das in einem separaten Bieterprozess ausgewählt wird.

Noch ist die Transaktion allerdings nicht endgültig abgeschlossen. Der Insolvenzplan muss zunächst vom Amtsgericht Kempten geprüft und anschließend von der Gläubigerversammlung beschlossen werden. Darüber hinaus steht auch noch die Freigabe durch das Bundeskartellamt aus.

Supermarkt-Inside Fazit

Die geplante Rettung von Feneberg ist weit mehr als eine klassische Insolvenzlösung. Sie zeigt, dass regionale Handelsunternehmen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine Zukunft haben können – wenn starke Partner bereit sind, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

Für REWE eröffnet sich die Chance auf weiteres Wachstum im Süden Deutschlands. Für die LEH Allgäu GmbH bietet sich die Möglichkeit, eine traditionsreiche Handelsmarke mit regionalem Profil weiterzuentwickeln. Und für die Beschäftigten sowie die Kunden bedeutet die Lösung vor allem eines: Kontinuität.

Gerade in Zeiten steigender Kosten, wachsender Wettbewerbsintensität und zunehmender Marktkonzentration sendet diese Vereinbarung ein wichtiges Signal. Nicht jede Insolvenz muss zwangsläufig das Ende einer Marke bedeuten. Im Fall von Feneberg könnte sie vielmehr der Beginn eines neuen Kapitels sein.

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