Warum MERCADONA den deutschen Lebensmitteleinzelhandel wachrütteln sollte

Wäre MERCADONA auch in Deutschland, wäre bei uns wahrscheinlich auch einiges anders! 

Mercadonna-Mallorca / Foto: Supermarkt-Inside

Wer sich intensiv mit dem europäischen Lebensmitteleinzelhandel beschäftigt, kommt an Mercadona nicht vorbei. Das spanische Unternehmen ist längst mehr als nur ein erfolgreicher Händler – es ist ein Paradebeispiel für operative Exzellenz. Während viele deutsche Händler noch über Margen, Personalkosten und Filialnetze diskutieren, zeigt Mercadona, wie konsequent umgesetzte Prozesse zu echter Wettbewerbsstärke führen können.

Mit über 1.600 Filialen, rund 42 Milliarden Euro Umsatz und einer Nettomarge von 4,5 % spielt Mercadona in einer Liga, die im europäischen Lebensmittelhandel selten ist. Besonders bemerkenswert: Nur eine Handvoll Filialen arbeitet defizitär. In einem margenschwachen Geschäft wie dem LEH ist das nichts weniger als außergewöhnlich.

Doch der vielleicht spannendste Schritt kommt jetzt – mit dem sogenannten „Store 9“-Modell.

Ein Supermarkt als Betriebssystem

Mercadonna-Mallorca / Foto: Supermarkt-Inside

Was Mercadona mit Store 9 entwickelt, ist weit mehr als ein neues Ladenlayout. Es ist im Grunde eine Neuprogrammierung des gesamten Supermarkts.

Die Idee dahinter wirkt zunächst simpel: Produkte werden intelligenter gruppiert, Vorbereitungsprozesse in zentrale Bereiche verlagert und Abläufe mithilfe von Technologie optimiert. Doch genau hier liegt der Unterschied zu klassischen Store-Refurbishments im deutschen Markt. Während hierzulande häufig in neue Regale, Beleuchtung oder digitale Preisschilder investiert wird, denkt Mercadona tiefer. Der Store wird nicht verschönert – er wird neu gedacht.

Das Ziel: weniger Reibung für Kund:innen, effizientere Arbeitsabläufe für Mitarbeitende und schnellere Einkaufsprozesse insgesamt.

Für den deutschen Lebensmitteleinzelhandel ist das eine unbequeme Erkenntnis. Denn sie zeigt: Der wahre Hebel liegt nicht im sichtbaren Teil des Geschäfts, sondern im operativen Kern.

Prozess schlägt Produkt

Mercadonna-Mallorca / Foto: Supermarkt-Inside

In Deutschland wird Innovation im Handel oft mit Sortimentserweiterung, Eigenmarkenstrategien oder Omnichannel-Angeboten gleichgesetzt. Doch Mercadona beweist, dass nachhaltiger Erfolg woanders entsteht: im gesamtheitlichen Prozess.

Ein hoher Eigenmarkenanteil von rund 95 % ist dabei kein Zufall, sondern Teil eines klar strukturierten Systems. Weniger Komplexität bedeutet bessere Steuerbarkeit. Bessere Steuerbarkeit führt zu höherer Effizienz. Und Effizienz ist letztlich der Schlüssel zu stabilen Margen. Diese Denkweise fehlt im deutschen Markt oft. Hier dominieren noch immer gewachsene Strukturen, historisch bedingte Prozesse und eine hohe Sortimentsvielfalt, die operative Exzellenz erschwert.

Store 9 zeigt dagegen, wie konsequente Vereinfachung Wettbewerbsvorteile schafft.

Nicht das beste Produkt gewinnt – sondern das beste System.

Vier Lektionen für Deutschland

Mercadonna-Mallorca / Foto: Supermarkt-Inside

Was lässt sich konkret aus dem Mercadona-Modell für Deutschland ableiten?

1. Effizienz ist der wahre Wettbewerbsvorteil
Der deutsche LEH ist extrem preisgetrieben. Doch statt nur an Einkaufspreisen zu arbeiten, sollte der Fokus stärker auf internen Abläufen liegen: Warenfluss, Regalpflege, Warenverfügbarkeit, Personalplanung. Hier entstehen die entscheidenden Unterschiede.

2. Convenience ist mehr als ein Trend
Kund:innen erwarten heute Schnelligkeit und Einfachheit. Ein durchdachter Store, der Orientierung bietet und Wege verkürzt, ist kein „Nice-to-have“, sondern strategisch relevant.

3. Zentralisierung schafft Skalierbarkeit
Die Bündelung von Vorbereitungsprozessen – etwa für Frischeprodukte – erhöht die Konsistenz und reduziert Kosten. Ein Ansatz, der besonders für größere deutsche Handelsketten enormes Potenzial birgt.

4. Technologie ist Mittel zum Zweck
Digitale Lösungen entfalten ihren Wert nur, wenn sie Prozesse verbessern. Reine Digitalisierung ohne strukturelle Anpassung bleibt wirkungslos – eine Erkenntnis, die im deutschen Markt noch nicht überall angekommen ist.

Fazit: Mehr Mut zur Neugestaltung

Mercadonna-Mallorca / Foto: Supermarkt-Inside

Das Store-9-Modell von Mercadona ist kein Konzept, das sich eins zu eins nach Deutschland übertragen lässt. Märkte, Konsumverhalten und regulatorische Rahmenbedingungen unterscheiden sich zu stark.

Aber genau darum geht es auch nicht.

Die eigentliche Lektion liegt tiefer: Erfolgreiche Handelskonzepte entstehen nicht durch Kopieren, sondern durch konsequentes Hinterfragen bestehender Strukturen.

Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel steht vor großen Herausforderungen – steigende Kosten, wachsender Wettbewerbsdruck und veränderte Kundenerwartungen. Wer darauf nur mit kosmetischen Anpassungen reagiert, wird langfristig verlieren. Was es braucht, ist der Mut, den “Lebensmittelmarkt” neu zu denken. Nicht als Verkaufsfläche. Sondern als System.

Was haltet ihr von diesem spannenden Thema?  Bitte schreibt uns indes eure Meinung auf Supermarkt Inside.

Fotos: Archiv Supermarkt-Inside und wie gekennzeichnet

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