Lidl-US verliert schon wieder den CEO

Lidl-US muss sich neu sortieren: Führungsvakuum beim Discounter in Amerika 

Die US-Tochter des deutschen Discounters Lidl steht erneut vor einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Nach nur zweieinhalb Jahren verlässt CEO Joel Rampoldt das Unternehmen – ein Schritt, der in der Branche für Aufsehen sorgt. Rampoldt war angetreten, um das schwächelnde US-Geschäft zu stabilisieren und Lidl im hart umkämpften amerikanischen Lebensmittelmarkt neu zu positionieren. Doch nun endet seine Amtszeit früher als erwartet. Zusätzlich verschärft wird die Situation durch den Abgang einer weiteren engen Vertrauten von Lidl-International-Chef Kenneth McGrath. Für Lidl US bedeutet das: Schon wieder ein Neustart, schon wieder strategische Unsicherheit.

Ein kurzer CEO, viele Baustellen

Als Joel Rampoldt 2022 an die Spitze von Lidl US rückte, waren die Erwartungen hoch. Der Discounter hatte seit seinem Markteintritt in den USA mit Problemen zu kämpfen: zu hohe Kosten, ein zu breites Sortiment und Filialkonzepte, die nicht immer auf den Geschmack amerikanischer Kunden zugeschnitten waren. Rampoldt sollte aufräumen, vereinfachen und Wachstum ermöglichen. Tatsächlich leitete er mehrere Reformen ein, darunter die Straffung der Sortimente, Preisanpassungen und eine stärkere Fokussierung auf Eigenmarken.

Doch der Erfolg blieb begrenzt. Lidl US betreibt zwar weiterhin mehrere hundert Filialen, doch von der ursprünglichen Expansionsdynamik ist wenig übrig. Interne Umstrukturierungen, ein herausforderndes Marktumfeld mit starker Konkurrenz durch Aldi, Walmart und regionale Ketten sowie steigende Kosten setzten Rampoldt zunehmend unter Druck. Sein Abgang nach nur zweieinhalb Jahren wirkt daher wie ein weiteres Kapitel in einer langen Reihe von Führungswechseln – und wirft die Frage auf, ob das Problem tiefer liegt als bei einzelnen Personalien.

Abgänge im engsten Führungszirkel

Lidl US

Besonders brisant ist, dass mit Rampoldt nicht nur der CEO geht. Parallel verlässt eine weitere enge Vertraute von Kenneth McGrath, dem internationalen Lidl-Chef, das US-Geschäft. Details zu den Gründen sind nicht offiziell bekannt, doch in Branchenkreisen wird über strategische Differenzen spekuliert. Solche Abgänge im engsten Führungszirkel gelten oft als Warnsignal: Sie deuten auf Unstimmigkeiten über die künftige Ausrichtung oder auf mangelndes Vertrauen in den eingeschlagenen Kurs hin.

Für Lidl US ist das doppelt problematisch. Einerseits gehen wertvolle Marktkenntnisse und interne Netzwerke verloren, andererseits entsteht erneut ein Machtvakuum. Mitarbeitende in den US-Zentralen und Filialen müssen sich abermals auf neue Ansprechpartner, neue Prioritäten und möglicherweise neue Strategien einstellen. Das kostet Zeit, Energie und Motivation – Ressourcen, die im intensiven Wettbewerb eigentlich knapp sind.

Interimschef Giudici vor schwieriger Aufgabe

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Mit Marco Giudici übernimmt nun ein Interimschef das Ruder. Seine Aufgabe ist klar umrissen, aber alles andere als einfach: Stabilität schaffen, Vertrauen zurückgewinnen und gleichzeitig die Weichen für eine nachhaltige Zukunft stellen. Giudici gilt als erfahrener Manager, doch als Übergangslösung hat er nur begrenzten Spielraum. Er muss kurzfristig operative Ruhe herstellen und gleichzeitig die Basis für einen neuen dauerhaften CEO legen.

Die entscheidende Frage lautet: Will Lidl in den USA weiter wachsen oder sich stärker konsolidieren? Der Markt bietet Chancen, ist aber gnadenlos. Aldi gibt auf jeden Fall Vollgas und treibt den amerikanischen LEH vor sich her. Ohne eine klare, langfristige Strategie und eine stabile Führungsspitze droht Lidl US, weiter hinter den Erwartungen zurückzubleiben. Der erneute Neustart könnte eine Chance sein – wenn er konsequent genutzt wird. Andernfalls droht dem ambitionierten US-Abenteuer des Discounters ein schleichender Bedeutungsverlust und zusätzlich ein nicht endendes Zuschussgeschäft.

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