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Notstand an der Fleischtheke

Meisterhaft

Nach dem jüngsten Urteil des Verwaltungsgerichtshofes in Mannheim müssen wegen der fehlenden Fleischermeister viele Supermarkt- und SB Warenhaustheken dicht gemacht werden. Damit wurde die Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Sigmaringen (Az.:6S2789/17) bestätigt. Die Begründung des Gerichts ist einleuchtend. Auch wenn keine Fleischstücke zerlegt oder gehackt werden, sind Kenntnisse in Chemie, Biochemie und Bakteriologie notwendig. Einfaches Zerteilen oder Marinieren erfordere ebenfalls gewerbe-, hygiene- und lebensmittelrechtliche Kenntnisse. Das Urteil ist letztinstanzlich, eine Revision ist nicht zulässig. Dies bedeutet, dass eine Fleischfachverkäuferin oder -Fachverkäufer nicht ausreicht. Doch wo sollen so plötzlich all die Meister her kommen?

Renaissance der Theken

In den 90er Jahren ist eine Rückbauwelle von Theken aller Art durch die Lande geschwappt. SB und Prepack war akzeptiert, aus hygienischen Gründen sogar mancherorts präferiert. Aber besonders interessant war natürlich die neue Produktivität und die deutlich reduzierten Kostenstrukturen. Es konnte bei manchen Super- und Verbrauchermärkten nicht schnell genug gehen. Kaufland, Real, Rewe und Edeka haben sich einen regelrechten Schnelligkeitswettbewerb geliefert. Die zwei Letztgenannten haben aber sehr schnell bemerkt, dass zu einem kompetenten Lebensmittelhändler einfach die Theke gehört. Käse-, Fisch-, Wurst- und natürlich Fleischtheken fanden wieder Platz auf den Flächen. Nur die alten Meister waren verschwunden, neue wurden kaum noch ausgebildet. Heute zählt ein Fleischermeister schon zu einer aussterbenden Gattung.

Man spricht deutsch

Dieses Urteil setzt jetzt viele Händler massiv unter Druck. Denn Fachpersonal gibt es für dieses Handwerk kaum noch. Und wenn es tatsächlich noch zu ergattern ist, zahlen die Händler horrende Löhne. Abhilfe gegen diese Entwicklung haben jahrelang ausländische Fachkräfte gebracht. Ganze Busladungen an Metzgern wurden aus der Ukraine, Russland und sonstigen osteuropäischen Ländern für die großen deutschen Fleischwerke herbei geschaukelt.

Vielerorts musste intensiv nachgeschult werden, aber in der Regel verstanden sie Ihr Gewerk. Nur die deutsche Sprache kannten sie kaum. Wenn jetzt die Theken mit weiteren ausländischen Meistern nachbestückt werden müssen, ist nicht nur fachlich zu schulen, sondern auch sprachlich. Die wenigsten unserer Kunden sprechen nämlich osteuropäische Sprachen. Gleichzeitig ist dieses Handwerk für unsere eigene Ausbildung wieder richtig attraktiv  zu machen. Argumente gibt es genug. Ein guter Fleischermeister hat schon immer sehr gut Geld verdient und eine abwechslungsreiche Betätigung gefunden.

 

Habt Ihr noch einen Fleischermeister beschäftigt, ist die Nachfolge geregelt? Schreibt uns auf Supermarkt Inside oder unserem Facebook Account.

Bilder: Archiv Supermarkt Inside

 

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