Kaufland in Schwaigern – eine LEH-Reportage aus der Provinz

Kaufland Schwaigern, ein SB-Warenhaus in der Provinz. Reportage über Tempo, Druck und Präzision

Schwaigern. 5:58 Uhr. Der Parkplatz ist dunkel, nur die orange Straßenlaterne flimmert. Doch im Inneren des Kauflands herrscht bereits Betriebsamkeit. Zentrallager-Transporter docken an, Elektro-Hubwagen quietschen, Menschen diskutieren und lachen. Es ist der Teil des Supermarkts, den Kundinnen und Kunden nie zu Gesicht bekommen: die stille, hochgetaktete Frühschicht.

Der Maschinenraum der Warenströme

Kaufland Schaigern / Foto Supermarkt-Inside

Hinter einer unscheinbaren Tür, die in den Lagerbereich führt, stauen sich Paletten wie Schiffscontainer in einem Hafen. Jede Palette trägt eine eigene Dringlichkeit.
Eine Mitarbeiterin zeigt auf die Masse an Waren: „Wenn hier nur eine Lieferung falsch kommissoniert ist, verschiebt sich unser kompletter Tagesplan.“ Obst- und Gemüse, Frisches Fleisch/Geflügel/Wurst und Molkereiprodukte müssen als erstes in den Markt.

Zwischen den Regalen herrscht Millimeterarbeit. Die Waren müssen nicht nur schnell, sondern in der richtigen Reihenfolge bereitstehen – schließlich entscheidet das später darüber, ob Regale pünktlich gefüllt sind oder Lücken auftauchen, die Kunden nie sehen sollten. Ein Mitarbeiter zögert kurz, bevor er spricht: „Wir sind ein Uhrwerk. Und jedes Zahnrad merkt man sofort, wenn es hakt.“

Die Realität hinter der Frische-Abteilung

Kaufland Schaigern / Foto Supermarkt-Inside

Die Obst- und Gemüseabteilung wirkt für Besucher immer wie ein sauber arrangiertes Schlaraffenland. Doch die Realität dahinter ist anspruchsvoller.
„Die Frische muss passen. Die Temperatur muss stimmen. Das gesamte Sortiment muss verfügbar sein. Die Vortages-Ware muss gecheckt werden. Jede Kiste muss top sein“, erklärt eine Mitarbeiterin, während sie eine Gurkenpalette öffnet. Sichtbar wird ein interner Kontrollprozess, denn die Frische hat offensichtlich höchste Priorität bei Kaufland.
Kein Kunde ahnt, dass allein hier gut 90 Minuten liegen, bevor die Türen des Marktes öffnen.

Die „Aktion“ – ein wöchentliches logistisches Risiko

Kaufland Schaigern / Foto Supermarkt-Inside

Wenn Kaufland neue Sonderangebote bewirbt, sehen Kundinnen und Kunden nur den rot beschrifteten Preis.
Doch dahinter steckt eine empfindliche Operation. „Aktionen sind unser größtes Risiko“, sagt ein Abteilungsleiter.
„Manchmal wissen wir bis zum Abend vorher nicht, ob die Ware in ausreichender Menge kommt. Wir planen jeden Zentimeter, aber Überraschungen gibt es immer.“ In einer Ecke liegen gerade ausgepackte Kartons. Eine Mitarbeiterin hält kurz inne: „Wenn die Aktion startet, muss alles passen. Die Kundschaft reagiert bei fehlender Ware sensibel.“
Man hört den Druck – aber auch Routine.

Das Herzstück: Die Kassenzone

Foto: Kaufland

Die vielen Kassiererinnen und Kassierer stehen im Mittelpunkt einer Taktung, die an Prozessarbeit erinnert.
„Wir sind die letzte Instanz“, sagt eine Kassiererin. „Wenn etwas vorher schiefgeht, landet es bei uns: Falsche Preise, Etikettenfehler, Kundenbeschwerden.“ Der Scanner piept im Sekundentakt.
Hinter der Kasse stehen Listen mit PLU-Nummern, die mehrmals angepasst werden müssen. Gerade jetzt sind die Butter-Preise weiter gefallen. Hoffentlich reicht die bestellte Ware, gestern kannte noch niemand den neuen Preis, aber die Discounter wie Aldi und Lidl machen Druck.
„Wir sind ständig zwischen Konzentration und Kundenkontakt. Ein Fehler, und die Schlange wächst.“

In den Stoßzeiten sprechen die Mitarbeitenden über „kritische Phasen“ – Momente, in denen nur Sekunden über einen reibungslosen Ablauf entscheiden:
Fehler bei der Selbstbedienung, ein Storno, ein Produkt mit unleserlichen Barcode, ein Kunde mit einem Problem aus der Fleischtheke.

Der Mittelgang – das unterschätzte Nervenzentrum

Kaufland Schaigern / Foto Supermarkt-Inside

Mehrere Male am Tag muss der Markt auf Mikroumstände reagieren:
– Unerwartete Kundenanstürme
– Fehlende Artikel
– kurzfristige Preisanpassungen
– liegengebliebene Ware
– technische Ausfälle

Ein Mitarbeiter fasst es nüchtern zusammen: „Der SB-Warenhaus sieht friedlich aus, aber es ist ständig in Bewegung. Wer nicht schnell reagiert, verliert den Anschluss.“ Der Mittelgang ist die Hauptschlagader des Marktes und darf nicht verstellt sein, schon gar nicht während der Hot-Days.

Der Abend: Aufräumen nach einem teilweise unsichtbaren Sturm

Kaufland Schaigern / Foto Supermarkt-Inside

Wenn die letzten Kundinnen und Kunden den Markt verlassen, beginnt ein zweiter, weniger sichtbarer Teil des Tages.
Die Teams entfernen leere Umverpackungen aus den Regalen, prüfen Mindesthaltbarkeiten, reinigen, sortieren zurück. Es wirkt wie ein Gegenprogramm zum morgendlichen Routine – langsamer, aber systematischer. Ein Mitarbeiter sagt: „Das ist unser Reset-Knopf. Was wir hier nicht sauber abschließen, rächt sich am nächsten Morgen.“

Ein Fazit ohne Glitzer

Kaufland Schaigern / Foto Supermarkt-Inside

Wer erwartet, dass ein SB-Warenhaus in der Provinz ein ruhiger Ort ist, täuscht sich.
Unsere Spurensuche zeigt: Kaufland Schwaigern funktioniert wie ein kompaktes Warenumschlags-Zentrum, mit hoher Taktung, vielen Abhängigkeiten und permanentem Anpassungsdruck und dieses Kaufland ist ein kleines SB-Warenhaus der Schwarz Gruppe, gar nicht dran zu denken was in den richtig großen Märkten in Berlin, Leipzig und Neckarsulm los ist.

Von außen sieht man nur Regale voll mit Ware. Innen agiert: Ein kompetentes Team mit viel Planung und Erfahrung – und der ständige Kampf gegen die Uhr läuft. Die Macher im Kaufland Schaigern haben es aber voll drauf, der Markt hat uns wirklich überzeugt.

Was haltet ihr von diesem spannenden Thema?  Bitte schreibt uns indes eure Meinung auf Supermarkt Inside.

Fotos: Archiv Supermarkt-Inside und wie gekennzeichnet

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