Aldi hat richtig Spaß an der Expansion in Asien, jetzt wird es in China richtig spannend

Foto: Aldi in China / Foto: Supermarkt-Inside
Der deutsche Lebensmittelhandel blickt seit Jahren gebannt nach Osten – und jetzt setzt Aldi zum nächsten großen Coup an. Mit der Eröffnung von gleich vier Filialen in Nanjing verlässt der Discounter erstmals sichtbar den sicheren Hafen Shanghai und wagt sich tief hinein ins Herz des chinesischen Massenmarkts. 300 Kilometer landeinwärts, acht Millionen Einwohner, wirtschaftsstarke Provinz Jiangsu: Wer hier besteht, hat verstanden, wie China tickt. Für Aldi ist dieser Schritt weit mehr als nur eine Expansion – es ist ein Statement.
Vier Filialen, ein klares Signal
Nanjing ist kein Experimentierfeld, sondern ein Kraftakt. Statt sich – wie in Shanghai – mühsam in Toplagen vorzuarbeiten, startet Aldi in der ehemaligen Kaiserstadt direkt dort, wo das Leben pulsiert: in dicht besiedelten Wohngebieten. Vier Standorte auf einen Schlag zeigen, wie ernst es der Händler meint. Während in Shanghai die berühmte Nanjing Lu noch außer Reichweite liegt und die nächste Aldi-Filiale 15 Minuten entfernt ist, geht man in Nanjing in die Offensive.
Aus Sicht des Handels ist das bemerkenswert. Städte der sogenannten „zweiten Kategorie“ gelten als die eigentlichen Wachstumstreiber Chinas: weniger gesättigt, preisbewusster, aber zugleich offen für neue Konzepte. Genau hier sieht Aldi seine Chance. Branchenkenner erwarten, dass die Expansion abseits der Mega-Metropolen deutlich schneller vorankommt. Das Potenzial? Nahezu unermesslich.
Premium aus Deutschland – mit lokaler Seele

Foto: Aldi in China / Foto: Supermarkt-Inside
Aldi tritt in China nicht als klassischer Billiganbieter auf, sondern als Supermarktkette mit internationalen Know-how. Rund 90 Prozent Eigenmarken, klare Sortimente, internationale Qualität – und viel Inszenierung. Zur Eröffnung kokettierte der Händler selbstbewusst mit seiner Herkunft: Schwarzwälder Kirschtorte mit exakt 15 Kirschen inklusive. Ein Augenzwinkern, das ankommt.
Gleichzeitig zeigt Aldi Fingerspitzengefühl für den lokalen Geschmack. Chinesische Medien loben ausdrücklich die Anpassung des Sortiments an die regionale Küche. Gesalzene Ente nach Jinling-Art? Selbstverständlich im Regal. Genau diese Mischung aus deutscher/internationaler Handels-DNA und lokaler Relevanz scheint der Schlüssel zum Erfolg zu sein. Beobachter attestieren Aldi inzwischen, ein Format gefunden zu haben, das für das Reich der Mitte hervorragend geeignet ist.
China ist der Zukunftsmarkt, auf was wartet Lidl noch?
Seit 2019 ist Aldi Süd in China aktiv, mittlerweile mit 95 Filialen. Der Ausbau in Nanjing markiert nun den nächsten Meilenstein. Die Stadt soll als Basis für die weitere Expansion in Ostchina dienen – strategisch klug, denn die Provinz Jiangsu ist wirtschaftlich so stark wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen und zählt mehr Einwohner als Deutschland.
An der Spitze des Wachstumsmarktes steht seit Oktober Jacqueline Chen, Harvard-Absolventin mit China-Erfahrung von Walmart und Metro. Dass Aldi Süd aus Salzburg den Expansionsschritt offiziell nicht kommentiert, passt ins Bild: leise auftreten, konsequent handeln.
Klar ist: Beijing mit seinen über 20 Millionen Einwohnern bleibt vorerst außen vor – zu weit entfernt von Shanghai, zu komplex für einen schnellen Zugriff. Doch mit Nanjing beweist Aldi, dass man Geduld, Kapital und Konzept hat, um sich Stück für Stück Territorium zu sichern. Für den Lebensmittelhandel ist das eine klare Botschaft: Aldi meint es ernst mit China. Und wer heute in Nanjing erfolgreich ist, könnte morgen das Spiel im gesamten Osten des Landes verändern.
Ehemalige Top-Manager von Lidl leiten erfolgreich WU MART Discount in Peking

Foto: WU-MART.com
Der große Aldi-Rivale aus Neckarsulm Lidl ist offensichtlich noch zu sehr mit dem Aufbau der neuen Geschäftsfelder beschäftigt und scheint demzufolge noch kein Interesse an einer Expansion nach Asien zu haben. Es bleibt abzuwarten ob der erfolgreiche Schwaben-Express aus Neckarsulm noch den richtigen Zeitpunkt für eine eventuelle Erfolgsgeschichte in China erwischt.
Handelsexperten tuscheln allerdings hinter vorgehaltener Hand, das die heutigen Top-Manager von WU MART Discount in Peking (Kaudewitz, Luncer, Lohmiller alles ehemalige Top-Manager von Lidl) optimales Know-how über den chinesischen LEH-Markt erworben haben und für Lidl International eine ideale Speerspitze für einen zügigen Markteintritt in China sein könnten oder vielleicht schon sind….
Was haltet ihr von diesem spannenden Thema? Bitte schreibt uns indes eure Meinung auf Supermarkt Inside.
Fotos: Archiv Supermarkt-Inside und wie gekennzeichnet


