Billa bindet Kaufleute enger ein – Knowhow der Selbständigen besser nutzen können.

Der österreichische Lebensmitteleinzelhändler Billa, der zur Rewe-Group gehört, hat in den vergangenen Jahren seine Strategie zur engeren Einbindung selbstständiger Kaufleute deutlich geschärft. Ziel ist es, unternehmerische Freiheit mit den Vorteilen einer starken Handelsmarke zu verbinden und damit sowohl die Wettbewerbsfähigkeit der Standorte als auch die Attraktivität für Kundinnen und Kunden zu erhöhen. Dieser Ansatz gewinnt nun zunehmend an Bedeutung, nicht zuletzt vor dem Hintergrund steigender Kosten, veränderter Konsumgewohnheiten und eines intensiven Wettbewerbs im Lebensmittelhandel.
Im Mittelpunkt der Strategie steht eine vertiefte Partnerschaft zwischen Zentrale und Kaufleuten. Billa setzt dabei auf Modelle, die unternehmerisches Engagement vor Ort fördern, ohne auf standardisierte Prozesse, Einkaufsvorteile und zentrale Services zu verzichten. Kaufleute profitieren von einer klaren Markenpositionierung, nationalen Marketingkampagnen und einem abgestimmten Sortimentsrahmen, haben aber zugleich mehr Spielraum, ihr Angebot an regionale Bedürfnisse anzupassen.
Gerade in ländlichen Regionen ermöglicht diese Flexibilität eine stärkere lokale Verankerung. Nun will Billa besonders im kommenden Jahr festere Strukturen schaffen und dazu die selbständigen Kaufleute besser einbinden.
Rewe Deutschland als Vorbild.

Nach drei Jahren des Billa-Kaufleute-Modells will man nun einen ähnlichen Weg gehen, wie Rewe in Deutschland. Dort sind die Selbständigen schon länger in relevante Entscheidungen mit einbezogen. Hier gibt es bereits feste Kanäle, wo sich die Kaufleute in Themen wie Logistik, Ware Personal und Nachhaltigkeit einbringen können. Noch gibt es einen großen Unterschied in den beiden Ländern. In Deutschland betreiben fast zwei Drittel der 3.900 Rewe Märkte selbständige Kaufleute die Filialen, in Österreich sind es aktuell erst 39 von 1.300 Standorten. Hier sind aber für 2026 noch 25 weitere Standorte zur Privatisierung in der Planung. Das große Ziel bei Bille ist es, bis Ende 2027 100 selbständige Kaufleute am Start zu haben. Das Procedere, um als Händler selbständig zu werden, ist in Österreich kein einfaches.
Allein ein Drittel der Bewerber schaffen es nicht durch den internen Auswahlprozess. Dieser Prozess zahlt sich jedoch für Billa aus. Liegt die Umsatzentwicklung bei den Selbständigen ca. zwei Prozentpunkte über den Regiebetrieben. Zur Zeit liegen allein 30 Bewerbungen vor, die noch sondiert werden müssen. Auch ist es möglich, dass externe Bewerber in die Auswahl kommen können. So soll bereits Anfang 2026 die erste Kauffrau starten, die nicht aus den eigenen Reihen kommt.
Im Geschäftsjahr 2024 konnte sich Billa in einem herausfordernden Marktumfeld behaupten und solide Umsatzzahlen erzielen. Laut Unternehmensangaben lag der Gesamtumsatz der Rewe Group in Österreich, zu dem Billa, Billa Plus, Plus, Penny, Bipa, sowie der Großhandel inklusive ADEG gehören, bei 10,94 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Lebensmittelhandel selbst, also dem Bereich, in dem Billa eine tragende Rolle spielt – stieg der Umsatz um 3,9 Prozent, wobei Billa und Billa Plus mit einem Wachstum von rund 3,8 Prozent einen wichtigen Beitrag leisteten.
Weitere hohe Investitionen geplant.

Nehmen der stärkeren Einbindung und Erweiterung der selbständigen Kaufleute ist mit 1,5 Milliarden Euro die größte Investitionsoffensive der Unternehmensgeschichte in den nächsten drei Jahren geplant. Neben einer umfassenden Modernisierung der Filialen, liegt ein weiterer Schwerpunkt auf Investitionen in die Logistik, insbesondere in das Logistik-Zentrum in Wiener Neudorf. Hier ist die Neustrukturierung der Trockensortimentslogistik auf bereits bestehender, verbauter Fläche geplant. Ziel ist es, die langfristige Versorgungssicherheit insbesondere für Niederösterreich, Wien und das Burgenland zu gewährleisten und die Resilienz der österreichischen Lieferketten zu stärken. Allein dafür sind in den nächsten fünf Jahren 600 Millionen Euro geplant.
Auch erwähnenswert ist, dass rund 2.400 Lehrlingen bei Billa, Billa Plus, Bipa und Penny und den Zentralfirmen nimmt die Rewe Group Österreich eine Vorreiterrolle in der Ausbildung ein. Während die Gesamtlehrlingszahlen im österreichischen Handel um ca. 6 Prozent rückläufig sind, hat die Rewe Group Österreich 2024 um 12 Prozent mehr Auszubildende beschäftigt.
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