Plötzlich war alles aus. Kein Licht, kein Piepen der Kassen, kein Brummen der Kühlaggregate.

BERLIN, GERMANY – stock.adobe.com © Heorshe
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Seit dem Wochenende kämpfen Berliner Bürger und Unternehmen im Südwesten der Hauptstadt mit einem massiven Stromausfall – und besonders der Lebensmitteleinzelhandel steht unter enormem Druck. Was für Kunden ärgerlich ist, wird für Händler existenziell.
„Wir konnten nur noch zuschließen“ – der Moment, in dem nichts mehr ging
Samstagmorgen, kurz nach Ladenöffnung: In mehreren Stadtteilen im Berliner Südwesten fällt der Strom aus. Innerhalb weniger Minuten ist klar, dass es kein kurzer Wackler im Netz ist. „Die Kassen waren sofort tot, das Licht weg, und die Kühlungen sind nach und nach ausgefallen“, berichtet der Betreiber eines Edeka-Marktes. „Wir haben noch versucht, die Kunden rauszuleiten – dann konnten wir nur noch zuschließen.“
Viele Märkte standen vor derselben Situation. Ohne funktionierende Kassensysteme ist kein Verkauf möglich, ohne Strom keine Lebensmittelsicherheit. Besonders problematisch: Frische- und Tiefkühlware. „Nach zwei Stunden ohne Strom war klar: Das wird kritisch“, sagt eine Marktleiterin eines Rewe-Marktes. „Wir konnten nicht riskieren, Ware zu verkaufen, die die Kühlkette verloren hat.“
Für die Kundschaft bedeutete das: verschlossene Türen, improvisierte Hinweisschilder und lange Gesichter. „Die Leute waren teils verständnisvoll, teils wütend“, so ein Händler. „Viele standen plötzlich ohne Einkauf da.“
Tausende Euro Schaden – und niemand weiß, was ersetzt wird

Hinter den geschlossenen Türen begann für viele Händler das große Rechnen – und Verzweifeln. „Wir mussten komplette Kühlregale abschreiben“, sagt ein selbstständiger Kaufmann. Fleisch, Käse, Molkereiprodukte, Tiefkühlkost: alles entsorgt. „Das sind schnell fünfstellige Beträge. Und ob die Versicherung das voll übernimmt, ist offen.“
Besonders hart trifft es kleinere, inhabergeführte Märkte. Während einige große Filialen mit Notstromaggregaten zumindest Teilbereiche retten konnten, hatten viele Einzelhändler keine Chance. „Für Notstrom sind wir gar nicht ausgelegt“, erklärt ein Betreiber eines Nachbarschaftsmarktes. „Das ist technisch und finanziell kaum machbar.“
Auch das Personal leidet. Mitarbeitende wurden früher nach Hause geschickt, Schichten gestrichen, Überstunden abgebaut. „Unsere Leute haben Angst um ihre Jobs“, sagt eine Marktleiterin. „So ein Wochenende reißt ein Loch in den Monatsumsatz.“
„Das darf in einer Hauptstadt nicht passieren“ – Forderungen werden lauter

Mit jedem Tag ohne vollständige Normalität wächst der Frust. „Wir reden hier nicht über Luxus, sondern über Grundversorgung“, betont ein Händler. „Dass ganze Stadtteile plötzlich ohne funktionierende Lebensmittelmärkte dastehen, ist ein Alarmsignal.“
Viele Kaufleute fordern nun klare Konsequenzen: bessere Absicherung der Stromnetze, schnellere Kommunikation der Netzbetreiber und Unterstützung bei der Krisenvorsorge. „Wir brauchen Notfallpläne, die diesen Namen verdienen“, sagt ein Rewe-Kaufmann. „Im Moment fühlen wir uns alleingelassen.“
Zwar kehrte der Strom schrittweise zurück, doch die Nachwirkungen bleiben. Regale sind teilweise leer, Sortimente eingeschränkt, das Vertrauen angekratzt. „Die Kunden fragen jetzt: Was passiert beim nächsten Mal?“, so ein Händler. „Und ehrlich gesagt: Wir wissen es selbst nicht.“
Der Stromausfall im Berliner Südwesten ist mehr als ein technischer Defekt. Er zeigt gnadenlos, wie verwundbar die Versorgung einer Millionenstadt ist – und wie schnell der Alltag kippt, wenn das Licht ausgeht. Für den LEH ist klar: Der nächste Blackout kommt bestimmt. Die Frage ist nur, wer dann besser vorbereitet ist.
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