Aldi Süd streicht 500 Jobs trotz stabiler Umsätze.

Trotz solider Unternehmenszahlen und einer weiterhin starken Marktposition plant Aldi Süd den Abbau von rund 500 Arbeitsplätzen in Deutschland. Der Discounter reagiert laut eigener Aussage auf „organisatorische Anpassungen und Effizienzsteigerungen“, die im Zuge einer umfassenden Neuausrichtung der Unternehmensstruktur notwendig sind. Hierbei ist auch besonders die Verwaltung betroffen. Aber auch die IT-Sparte, die in den vergangenen Jahren stark ausgebaut wurde.
Dass ein solcher Stellenabbau ausgerechnet in einer Phase relativer wirtschaftlicher Stärke angekündigt wird, sorgt in der Branche für Verwunderung. Dennoch suchen beide Unternehmen nach Wegen, effizienter zu arbeiten und Kosten zu senken. Auch bei Aldi Nord wurden und werden in den vergangenen Monaten Stellen abgebaut, unter anderem in der Marktforschung. Der Blick hinter die Zahlen zeigt jedoch, dass die Herausforderungen trotz der positiven Bilanz vielfältig sind. Die Margen im hart umkämpften Lebensmitteleinzelhandel bleiben unter Druck, vor allem durch steigende Kosten für Logistik, Energie und Personal. Gleichzeitig investieren Konkurrenten wie Lidl, Rewe oder Edeka massiv in Digitalisierung und neue Vertriebskanäle. Aldi Süd will darauf reagieren, indem Arbeitsprozesse modernisiert und Strukturen zentralisiert werden, was in der Praxis häufig Personalabbau bedeutet.
Stellenabbau auch in den Auslandsmärkten.

Auch in den Auslandsgesellschaften wie Australien, den USA, Großbritannien und Österreich hatte Aldi Süd bereits zuvor Hunderte Stellen gestrichen. Ziel dabei ist auch hier, stärker länderübergreifend einheitliche Prozesse und Standards zu etablieren. Eine zentrale Rolle spielt dabei das konzernweite IT-Projekt „Ahead“, mit dem Systeme harmonisiert und Aufgaben stärker gebündelt werden.
Auch im Personalbereich sollen wiederkehrende Routinetätigkeiten im HR im Rahmen einer Kooperation mit dem Dienstleister „Genpact“ schrittweise bis Anfang 2027 ausgelagert werden.In Deutschland sollen die Kürzungen „so sozialverträglich wie möglich“ gestaltet werden. Betroffenes Personal wird Abfindungen und interne Wechselmöglichkeiten angeboten. Dennoch trifft die Maßnahme insbesondere Beschäftigte im mittleren Management und in IT-nahen Bereichen. Der Bereich Informationstechnologie hatte in den vergangenen Jahren hier deutlich an Gewicht gewonnen, da Aldi Süd neue Filialtechnologien, Datenanalyse-Systeme und Cloud-basierte Logistiklösungen eingeführt hatte. Offenbar will man dort nun nach der Aufbauphase konsolidieren und Doppelstrukturen vermeiden.
Für den Betriebsrat von Aldi Süd keine leichte Aufgabe in den nächsten Wochen. Er steht nun vor der Herausforderung, die Interessen der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in den anstehenden Verhandlungen bestmöglich zu vertreten. In den kommenden Wochen sind intensive Gespräche zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretern geplant, um die Details des Stellenabbaus auszuhandeln.
Preisstrategie bleibt auch 2026.

Trotz der anstehenden Veränderungen bleibt Aldi Süd eine feste Größe im Wettbewerbsumfeld. Die aktuelle Preisstrategie von Aldi Süd fokussiert sich im Jahr 2026 stark auf die Rückkehr zur absoluten Preisführerschaft durch dauerhafte Preissenkungen bei Eigenmarken und Grundnahrungsmitteln, um inflationsbedingte Kaufkraftverluste der Kunden und Kundinnen abzufedern. Durch Effizienzsteigerungen und gesunkene Einkaufspreise werden Kostenvorteile direkt weitergegeben, dazu gibt es wöchentliche Rabattaktionen. Dazu gehört auch die aktuelle Aktion, dass beliebte Wurstwaren wie Bacon, Fleischwurst oder Mortadella ab dem 23. Januar dauerhaft um bis zu 20 Cent günstiger angeboten werden.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob es gelingt, die betriebliche Straffung mit Innovation und Mitarbeiterbindung in Einklang zu bringen. Fakt ist: Aldi Süd steht vor einem Umbruch, der nicht aus der Not heraus geboren ist, sondern mehr als ein strategisches Kalkül zu bewerten ist. Der Stellenabbau markiert damit weniger einen Krisenmodus, sondern eine Weichenstellung für die digitale Zukunft eines Discounters, der sich neu erfindet, ohne seine Wurzeln aufzugeben.
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