Was als Rettungsanker gedacht war, droht sich nun als finanzieller Sprengsatz zu entpuppen:

Das Schutzschirmverfahren der Feneberg Lebensmittel GmbH entwickelt sich zum Albtraum für die Edeka-Region Südbayern. Hinter den Kulissen der genossenschaftlich organisierten Handelswelt geht es längst nicht mehr nur um Solidarität – sondern um Millionen, die womöglich abgeschrieben werden müssen. Und um die brisante Frage, wer am Ende für die Fehleinschätzungen zahlt.
Ein Kredit ohne Netz und doppelten Boden
Als Feneberg in wirtschaftliche Schieflage geriet, sprang die Edeka-Region Südbayern ein. Mit einem unbesicherten Kredit sollte der traditionsreiche Händler stabilisiert und Zeit gewonnen werden. Ein Akt regionaler Unterstützung, getragen vom Gedanken der Partnerschaft. Doch genau dieser Kredit könnte nun zum Problem werden. Denn unbesichert heißt im Insolvenzrecht vor allem eines: hohes Risiko.
Mit dem eingeleiteten Schutzschirmverfahren ist klar, dass Feneberg unter gerichtlicher Aufsicht saniert werden soll. Für viele Gläubiger bedeutet das: zittern. Besonders für jene ohne Sicherheiten. Die Rückzahlung des Kredits an Edeka steht auf der Kippe – und im schlimmsten Fall droht der vollständige Ausfall. Insider sprechen von einem Betrag, der sich auf bis zu 30 Millionen Euro summieren könnte. Geld, das in der Region fest eingeplant war – und nun womöglich verloren ist.
Wenn Solidarität teuer wird

Der Fall Feneberg zeigt gnadenlos, wie dünn die Linie zwischen genossenschaftlicher Hilfe und wirtschaftlichem Harakiri sein kann. Edeka ist kein anonymer Konzern, sondern ein Verbund regionaler Kaufleute. Verluste treffen hier nicht gesichtslose Aktionäre, sondern Händler, die selbst um Margen kämpfen. Sollte der Kredit tatsächlich ausfallen, hätte das Konsequenzen weit über Feneberg hinaus.
Kritische Stimmen fragen bereits: War das Risiko bekannt? Wurden Alternativen geprüft? Oder hat man sich von regionaler Verbundenheit blenden lassen? Fakt ist: Ein unbesicherter Kredit dieser Größenordnung ist selbst in stabilen Zeiten gewagt. In einer Phase steigender Kosten, sinkender Kaufkraft und harter Konkurrenz wirkt er fast fahrlässig.
Gleichzeitig wächst der Druck auf das Management der Edeka-Region. Denn jeder Euro, der hier verloren geht, fehlt an anderer Stelle – bei Investitionen, bei der Unterstützung anderer Händler oder bei der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Discountern und internationalen Ketten.
Ein Dominoeffekt mit Signalwirkung
Noch ist nicht entschieden, wie das Schutzschirmverfahren ausgehen wird. Gelingt die Sanierung, könnte Edeka zumindest einen Teil des Geldes wiedersehen. Scheitert sie, droht ein Präzedenzfall mit Signalwirkung für die gesamte Branche. Regionale Hilfen könnten künftig deutlich restriktiver gehandhabt werden. Vertrauen würde durch Vorsicht ersetzt – Solidarität durch harte Verträge.
Für Feneberg steht viel auf dem Spiel: Arbeitsplätze, Standorte, ein Stück regionaler Handelsgeschichte. Für Edeka aber geht es um mehr als Geld. Es geht um Glaubwürdigkeit, um Risikomanagement und um die Lehre aus einem Fall, der zeigt, wie schnell gut gemeinte Unterstützung zur finanziellen Falle werden kann.
Eines ist sicher:
Das Schutzschirmverfahren bei Feneberg ist kein Randthema. Es ist ein Weckruf – für Händler, Regionen und ein System, das Solidarität lebt, aber an wirtschaftlichen Realitäten nicht vorbeikommt. Sollte Edeka am Ende tatsächlich Millionen abschreiben müssen, wird man sich fragen: War dieser Schutzschirm wirklich Schutz – oder der Anfang eines teuren Gewitters?
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