Kleine Weihnachtsgeschichte: Same procedure as every year? Wahr oder nicht?

Same procedure as every year? Wahr oder nicht? Eine kleine Weihnachtsgeschichte von Hans Günter Lemke. 

Bildquelle: “EDEKA Minden-Hannover/Peter Eichardt”

Weihnachtsgeschichte: Wenn man in diesen letzten Tagen im Jahr den einen oder anderen Marktleiter im Lebensmittelhandel fragen würde, wie sich Stress anfühlt, sagen viele:

Das Jahresende mein persönlicher Endgegner.

Der Kalender sagt Dezember und ab Anfang des Monats verändert sich das Verhalten der Kundschaft merklich. Menschen, die sonst zielstrebig Brot und Käse kaufen, irren plötzlich durch die Gänge, als müssten sie einen Fluchtweg aus einem Escape Room finden. „Wo steht denn bei Ihnen der Puderzucker?“ – „Neben dem Zucker.“ – „Ja, aber welcher?“ Stress ist, diese Frage dreimal hintereinander zu beantworten und dabei freundlich zu bleiben.

Kurz vor Weihnachten erreicht der Stress eine neue Dimension. Der Markt ist voll, die Luft dick, die Stimmung festlich-aggressiv. Ein Kind weint, weil es keine Schoko-Weihnachtsmänner mehr gibt. Ein Erwachsener auch. Der Marktleiter muss schlichten, erklären. Und lächeln. Eine Führungskraft eben. Offiziell heißt es ja „besinnliche Zeit“. Inoffiziell ist es die Phase, in der Kundinnen und Kunden kollektiv beschließen, dass der Supermarkt ihr Wohnzimmer ist. Alle. Gleichzeitig. Mit Einkaufswagen, die sie wie Rammböcke einsetzen.

Stress beginnt meist harmlos.

Zum Beispiel mit der Frage: „Kommt heute noch Ware?“ Diese Frage wird gestellt, während der Verkäufer gerade Ware verräumt. Von der Person, die vor mir steht. Aber gut. Ich erkläre geduldig, dass das hier die Ware ist. Sie nickt verständnisvoll und fragt fünf Minuten später noch einmal. Silvester im Lebensmittelhandel ist kein Tag, es ist ein Abenteuer. Schon morgens merkt man: Heute wird’s speziell. Menschen kaufen ein, als würden sie drei Tage in einem Atombunker verbringen , mit Raclette, Chips und genug Getränken, um einen kleinen See zu füllen.

Gegen Mittag tauchen die ersten „Ich brauch nur schnell was“-Kunden auf. Na ja, niemand braucht nur schnell was. Meist endet es mit zwei vollen Körben und der Frage, ob wir „nicht doch noch irgendwo“ Thai- Basilikum haben. Natürlich. Gleich neben der Hoffnung und dem gesunden Menschenverstand. Am Nachmittag wird es dann sportlich, fast schon olympisch. Einkaufswagen werden zu Rennfahrzeugen, die Gänge zu Slalomstrecken. An der Kasse wird tief durchgeatmet, weil jemand feststellt, dass heute ja der letzte Tag zum Einkaufen und morgen ja Feiertag ist. Überraschung! Silvester kommt jedes Jahr völlig unerwartet.

Der Höhepunkt kommt am 31. Dezember. 13:58 Uhr, in den Großstädten noch später….

Zwei Minuten vor Ladenschluss. Ein Kunde sprintet herein, Schweiß auf der Stirn, Panik im Blick. „Nur ganz kurz! Ich brauch noch Raclettekäse.“ Natürlich braucht er Raclettekäse. Wir alle brauchen Raclettekäse. Der Marktleiter begleitet ihn persönlich, wie ein Sherpa auf dem Weg zum Gipfel.

Wenn dann die Tür schließt, ist es still. Fast magisch. Zurück bleiben leere Regale, müde Gesichter und das gute Gefühl: Silvester haben wir geschafft. Und das neue Jahr kann kommen! In diesem Sinne: Danke an alle, die uns das Einkaufen leichter machen.

H.G. Lemke

Ein gutes neues Jahr und bleiben Sie gesund. Ihr Hans Günter Lemke!

Was haltet ihr von diesem spannenden Thema?  Bitte schreibt uns indes eure Meinung auf Supermarkt Inside.

Fotos: Archiv Supermarkt-Inside und wie gekennzeichnet

Das könnte Sie auch interessieren