Bedeutung von Prepaid- und Gutscheinkarten im Kassenmix

Die wachsende Bedeutung von Prepaid- und Gutscheinkarten im Kassenmix

Die Kassenzone war lange klar definiert. Schokoriegel, Kaugummis und kleine Getränke galten als sichere Impulsartikel, die im Vorbeigehen Umsatz brachten. Doch dieses Bild gerät zunehmend ins Wanken. Immer mehr Händler beobachten, dass klassische Süßwaren an Strahlkraft verlieren.

Gleichzeitig entstehen neue Umsatztreiber direkt am POS. Digitale Guthabenprodukte, Geschenkkarten und Prepaid-Mobilfunkangebote rücken in den Fokus und verändern den Kassenmix spürbar. Für Marktleiter und Kaufleute stellt sich damit nicht nur die Frage nach Sortiment, sondern auch nach Präsentation und Prozessen.

Der Wandel hat strukturelle Gründe. Verbraucher agieren preisbewusster, denken stärker in Budgets und suchen nach flexiblen, sicheren Lösungen. Genau hier setzen Prepaid- und Gutscheinkarten an – und treffen damit einen Nerv, der weit über kurzfristige Impulskäufe hinausgeht.

Rückgang klassischer Impulsartikel am POS

Der Druck auf traditionelle Kassenartikel wächst. Steigende Preise und ein verändertes Konsumklima führen dazu, dass Kunden spontane Süßwarenkäufe häufiger hinterfragen. Was früher als kleiner Luxus galt, wird heute öfter bewusst ausgelassen.

Hinzu kommt ein veränderter Umgang mit Bezahlung. Digitale und kontaktlose Zahlungen prägen den Alltag, wodurch physische Kleinstartikel an Relevanz verlieren. Laut Zahlen zu digitale Bezahlgewohnheiten wurden bereits 49 Prozent der alltäglichen Zahlungen in Deutschland unbar abgewickelt, was auch die Erwartungen an moderne POS-Angebote verändert.

Für den Handel bedeutet das: Die Kassenzone muss neu gedacht werden. Weniger Masse, mehr Mehrwert – Produkte sollen nicht nur impulsiv, sondern auch sinnvoll erscheinen. Genau hier beginnt der Raum für Alternativen.

Mobilfunk-Eigenmarken als Kundenbindungsinstrument

Prepaid-Mobilfunkkarten nehmen dabei eine Sonderrolle ein. Sie sind kein klassischer Impulsartikel, werden aber häufig spontan mitgenommen, wenn der Nutzen klar kommuniziert ist. Eigenmarken und exklusive Tarife verstärken diesen Effekt zusätzlich.

Interessant ist, dass digitale Anreize aus anderen Branchen die Erwartungen der Kunden prägen. Wer online mit virtuellen Guthaben arbeitet oder mit einem kostenloses Startguthaben an neue Services herangeführt wird, überträgt dieses Denken auch auf den stationären Einkauf. Ähnliche Mechanismen finden sich in der Glücksspielbranche: Online-Casinos locken neue Spieler mit Gratisguthaben oder Bonusaktionen, die die Schwelle für den Einstieg senken und Vertrauen aufbauen. Prepaid-Aufladungen oder Startboni bei Mobilfunkangeboten wirken vertraut und niedrigschwellig.

Für den Lebensmitteleinzelhandel eröffnet das neue Möglichkeiten der Kundenbindung. Mobilfunkprodukte werden nicht nur verkauft, sondern als Service verstanden. Sie verlängern die Beziehung über den Kassiervorgang hinaus und schaffen wiederkehrende Kontaktpunkte.

Expansion des digitalen Gutschein-Portfolios

Foto: ALDI SÜD & NORD

Digitale Gutscheine und Prepaid-Karten profitieren von dieser Entwicklung. Sie verbinden Spontankauf mit einem klaren Nutzen, sei es für Streaming-Dienste, Gaming, Mobilfunk oder als Geschenk. Gleichzeitig passen sie zur wachsenden Sensibilität für Ausgabenkontrolle.

Eine aktuelle Erhebung zeigt, wie stark dieser Trend ist. Laut einer aktuellen Umfrage nutzt inzwischen jeder vierte Deutsche Prepaid-Karten, ein Anstieg um 62 Prozent seit Beginn der Lebenshaltungskostenkrise. Besonders bei jüngeren Zielgruppen ist die Akzeptanz hoch.

Für Händler sind diese Produkte attraktiv, weil sie wenig Fläche benötigen und eine hohe Wertigkeit ausstrahlen. Zudem lassen sie sich flexibel saisonal oder thematisch bündeln. Das Sortiment in der Kassenzone wird damit stärker kuratiert und weniger zufällig.

Optimierungspotenziale bei der Warenpräsentation

Der Erfolg dieser Produkte hängt jedoch stark von der Umsetzung ab. Eine lieblos platzierte Kartenwand erzielt kaum Wirkung. Gefragt sind integrierte Konzepte, die Kassensysteme, Displays und Promotion verbinden.

Technologieanbieter unterstützen diesen Ansatz mit modularen Lösungen. Beschrieben werden solche POS-Integrationslösungen, die von der Kasseneinbindung bis zur Warenpräsentation reichen und dem Handel operative Komplexität abnehmen. Dadurch wird die Kassenzone zu einem strategischen Touchpoint.

Unterm Strich zeigt sich ein klarer Trend. Der Kassenmix verschiebt sich von kurzfristigem Zuckerimpuls hin zu digitalen Mehrwertprodukten. Für Entscheider im Handel bedeutet das, alte Gewissheiten zu hinterfragen und die Kassenzone als aktiven Bestandteil der Sortimentsstrategie zu begreifen. Wer diesen Raum klug nutzt, schafft Relevanz – auch in Zeiten knapper Budgets.



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