Baumarktkette Hellweg muss weitere Standorte schließen.

Baumarktkette Hellweg muss weitere Standorte schließen. Strukturelle Probleme in der Baumarkt-Branche verstärken sich.

Die traditionsreiche deutsche Baumarktkette Hellweg durchläuft seit 2025 eine tiefgreifende Phase der Restrukturierung und die aktuelle Lage ist wohl doch ernster, als ursprünglich von der Unternehmensleitung kommuniziert wurde. Während Hellweg noch im Frühjahr diesen Jahres von einer begrenzten Zahl von Filialschließungen sprach, zeigen aktuelle regionale Recherchen, dass die  Zahl der geschlossenen und zum Teil bereits stillgelegten Standorte über die  ursprünglich angekündigten liegt. Denn im Mai 2025 hatte das Unternehmen offiziell erklärt, dass nur sieben Filialen betroffen seien, die im Zuge der strategischen Neuausrichtung aufgegeben werden müssten.  Der Hintergrund waren seinerzeit massive Herausforderungen der letzten Jahre und ein anhaltend schwieriges Konsumklima. Leider hat sich diese Prognose inzwischen als unzureichend und zu optimistisch erwiesen.

Ein Blick auf die Zahlen macht die Dimension des Problems deutlich: auf der offiziellen Hellweg-Webseite sind Stand 9. Dezember 2025 nur noch rund 70 aktive Märkte verzeichnet, obwohl Hellweg zuvor noch etwa 95 Märkte in Deutschland und Österreich geführt hatte. Diese Diskrepanz deutet darauf hin, dass weit mehr als die bisher kommunizierten Standorte geschlossen oder bereits aus dem System entfernt wurden. 

Kernbundesland von Hellweg besonders betroffen – Wettbewerb weiterhin hart.

Besonders in Nordrhein-Westfalen, dem eigentlichen Kerngebiet von Hellweg,  sind einige dieser Schließungen sichtbar. So berichten mehrere regionale Zeitungen, dass unter anderem die Filialen in Menden, Gütersloh, Gelsenkirchen und Essen-Frillendorf im Februar 2026 endgültig schließen sollen. Das Ruhrgebiet spürte den Rückzug am deutlichsten, bereits Anfang August gingen in Oberhausen und Duisburg die Lichter aus. Und auch in Bielefeld-Brackwrede wurde eine Filiale im September geschlossen. Im Sommer schloss auch eine Filiale in Werl. Seit Ende November ist auch in einer Filiale in Hagen-Boele geschlossen. Auch außerhalb Nordrhein-Westfalen zeigen sich die Auswirkungen.

In Osnabrück (Niedersachsen) ist der Hellweg-Standort nach lokalem Medienbericht schon von der Online-Standortliste verschwunden, was praktisch einer stillen Schließung gleichkommt. In Brandenburg (Hennigsdorf) ist ein Aus für Anfang 2026 terminiert, und in Bayern (Hallstadt) hat der entsprechende Markt bereits Ende November seine Tore für immer geschlossen. Noch sind bei Hellweg rund 4.000 Menschen beschäftigt. Aktuell gibt es keine genauen Daten, wie viel Arbeitsplätze durch die Filialschließungen genau wegfallen würden.

Branchenbeobachter sehen in der Entwicklung ein deutliches Zeichen dafür, dass nicht nur einzelne Geschäfte, sondern strukturelle Probleme der Baumarktbranche eine entscheidende Rolle spielen. Steigende Kosten für Personal und Immobilien, der zunehmende Online-Wettbewerb sowie eine insgesamt schwächere Baunachfrage haben den stationären DIY-Handel in den vergangenen Jahren zunehmend unter Druck gesetzt. Die Situation bei Hellweg wird dabei als ein Beispiel für die Herausforderungen im Segment der mittelständischen Baumärkte in Deutschland gewertet. 

Ein Ausblick.

Foto: Hellweg.de

Die deutsche Baumarktbranche steht 2025 weiterhin vor deutlichen Herausforderungen. Laut den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) ist der Umsatz im DIY-Handel (Metallwaren, Anstrichmittel, Bau- und Heimwerkerbedarf) im Monat Juli 2025 gegenüber dem Vorjahresmonat real um 2,1 Prozent, nominal um 1,3 Prozent gesunken. Hauptgründe für diese Entwicklung sind gedämpfte Konsumlaune, wirtschaftliche Unsicherheiten und schlechte Witterung, die insbesondere Gartenverkäufe belastet haben. 

Trotz der schwierigen Lage zeigen sich einzelne positive Segmente, etwa Wand- und Bodenbeläge oder Gartenwerkzeuge, die teilweise wachsen. Die Anzahl der Baumärkte ist leicht rückläufig, während Flächenproduktivität und Trends zu Cross-Channel-Strategien und Digitalisierung für einige Händler wichtige Zukunftsthemen bleiben. Insgesamt ist für 2026 nur ein geringes Wachstum erwartet, da die Branche weiterhin auf eine Erholung der Verbraucherausgaben hofft.

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