Baumarktkette Hellweg schlittert in die Insolvenz

Baumarktkette Hellweg meldet  Insolvenz in Eigenverwaltung an. Alle Filialen und der Onlineshop bleiben vorerst geöffnet.

Foto: Hellweg

Die Dortmunder Baumarktkette Hellweg Die Profi-Bau- & Gartenmärkte GmbH & Co. KG hat am 16. Juni 2026 Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Das zuständige Amtsgericht Essen hat dem Antrag bereits zugestimmt. Damit reagierte das Unternehmen auf anhaltende wirtschaftliche Schwierigkeiten und versucht, sich im Rahmen eines Sanierungsverfahrens neu aufzustellen. Trotz der Insolvenz sollen die Geschäfte zunächst ohne größere Einschränkungen weiterlaufen. Alle 68 Baumärkte in Deutschland,  sowie der Online-Shop bleiben vorerst geöffnet.

Von der Insolvenz betroffen sind rund 2.900 Mitarbeitende. Für sie gibt es zunächst eine gutes Signal, da die Bundesagentur für Arbeit für die kommenden drei Monate die Lohnzahlungen über das sogenannte Insolvenzgeld erst einmal übernehmen wird. Dadurch kann der normale Geschäftsbetrieb stabil gehalten und den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen eine gewisse Sicherheit während der Sanierungsphase gegeben werden. Das Unternehmen betont, dass die Versorgung mit Waren gesichert ist und dass die Kundschaft ihre Einkäufe wie gewohnt tätigen können. Ob es im Zuge der Sanierung zu weiteren Filialschließungen oder strukturellen Veränderungen kommen wird, ist derzeit noch offen.

Insolvenz in Eigenverwaltung.

Das Problem bei Hellweg war, dass schon in den letzten Jahren das Wachstum nicht ausreichend war. Dazu kamen laut dem Unternehmen steigende Kosten durch die Inflation, höhere Mieten und eine gewisse Zurückhaltung bei den Käufern und Käuferinnen.  Sanierungsexperten prüfen nun nächste Schritte in der Insolvenz in Eigenverwaltung. Das soll dazu führen, das Unternehmen zu retten. Unterstützt wird Hellweg dabei von zwei Rechtsanwälten, der Wirtschaftskanzlei Görg. Prof. Dr. Gerrit Hölzle und Dr. Karl-Friedrich Curtze. Das Amtsgericht in Essen hat zusätzlich außerdem einen Sachwalter bestellt, der das Insolvenzverfahren überwacht.

Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die Unternehmensführung weiterhin im Amt und darf die Restrukturierung selbst steuern. Gleichzeitig überwacht ein gerichtlich bestellter Sachwalter die Interessen der Gläubiger. Diese Aufgabe übernimmt der Rechtsanwalt Stefan Denkhaus. 

Die Baumarktkette Hellweg zählt seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Baumarktketten in Deutschland. Das Unternehmen wurde 1971 in Dortmund gegründet und betreibt seine Märkte vor allem im Rhein-Ruhr-Gebiet sowie in Berlin. Über viele Jahre konnte sich Hellweg gut mit anderen großen Anbietern behaupten. In den vergangenen Jahren geriet die Branche jedoch zunehmend unter Druck.

Baumarktbranche unter Druck.

OBI

Die nun aktuelle Insolvenz von Hellweg kommt für viele Branchenexperten nicht ganz überraschend. Die deutsche Baumarktbranche befindet sich in einer schwierigen Marktsituation.  Nach den außergewöhnlich guten Umsätzen während der Corona-Pandemie, als viele Menschen  verstärkt in Haus, Garten und Renovierungsprojekte investierten, haben sich die Rahmenbedingungen deutlich verändert. 

Hohe Lebenshaltungskosten, gestiegene Energiepreise und eine allgemeine Kaufzurückhaltung belasten den privaten Konsum und wirken sich spürbar auf die Umsätze vieler Baumarktbetreiber aus.

Zusätzlich belastet die anhaltende Schwäche im Wohnungs- und Neubausektor die Branche. Viele Projekte werden verschoben oder ganz gestrichen, wodurch die Nachfrage nach klassischen Bau- und Ausbauprodukten zurückgegangen ist.  Gleichzeitig hat sich auch das Kaufverhalten vieler Menschen verändert.  Investitionen konzentrieren sich zunehmend auf energetische Sanierungen, Modernisierungen und Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz.

Dazu kommt ein verstärkter Wettbewerbsdruck. Neben den etablierten Baumarktketten wie Obi, Hagebau u.a drängen preisaggressive Discounter und internationale Online-Handelsplattformen mit günstigen Angeboten für Werkzeuge, Gartenartikel und Heimwerkerbedarf auf den Markt. Dadurch verschärft sich der Preiskampf und zwingt viele Anbieter dazu, ihre Geschäftsmodelle und Kostenstrukturen kritisch zu überprüfen.

Ob die Sanierung bei Hellweg gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Fest steht jedoch, dass die Zukunft einer der traditionsreichsten deutschen Baumarktketten nun von den Ergebnissen des Insolvenzverfahrens und den geplanten Restrukturierungsmaßnahmen abhängt.

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